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Neues vom Plattensammeln... 

Hier finden Sie regelmäßig ein paar persönliche Erfahrungsberichte, Tipps, ein paar Links und sonstige Geschichten rund um das Thema Beatles-Platten. Für ältere Beiträge nutzen Sie bitte das Archiv.   

sdds

30.5.2010
 -  Ein paar Worte zur Help!
Jede Oma hat einen Lieblingsenkel, jeder Trainer einen Lieblingsspieler und jeder Beatles-Sammler ein Lieblingsalbum. Das ist bei mir nicht anders. Wie man der Seite Originale unschwer entnehmen kann, habe ich ein besonderes Faible für die Help!. Meine allererste Beatles-LP war die Help, mein erster Beatles-Film im TV war Help, und auch meine erste Beatles-CD, wenn ich mich recht erinnere. Und auch wenn es musikalisch nicht das Opus Magnum der Band ist - für Sammler gibt es gute Gründe, diesem Album besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Das liegt vor allem an der Vielfalt unterschiedlicher Pressungen. Mir ist kein Album der Beatles bekannt, das in mehr Varianten erschien. Und folgerichtig gibt es darunter auch ein paar Perlen, um die sich die Sammler regelrecht reißen. Ganz vorne in der Liste stehen dabei die beiden Exportpressungen für die Schweiz: Help SMO 84008 und Help SMO 984008. Die erstgenannte LP erschien sowohl mit grünem als auch mit blauem Dom auf dem Cover. Seltsamerweise erzielt die Ausgabe mit grünem Dom noch höhere Preise bei ebay. Meine Ausgabe mit blauem Dom ist extrem schrabbelig. Dummerweise fehlt Ringos linker Arm, da ein Stück des Covers eingerissen ist. Ich habe die LP aber auch für nur rund 15 Euro ersteigert.

Die Platte mit dem Beach-Cover steht im Katalog für rund 1000 Euro (Mint) - vielleicht die teuerste deutsche Pressung der Beatles überhaupt. Bei ebay geht sie hin und wieder für 500 bis 700 Euro über den Tisch. Meist jedoch in bescheidenem Zustand. Meine Ausgabe ist ein Counterfeit, gut gemacht mit gestanzter Matrixnummer, sauberer Sound, aber definitiv eine Fälschung. Das erkennen Sie meist sehr schnell an dem dünnen Vinyl und dem recht dünnen Cover ohne Klebefalz auf der Rückseite und dem aufgedruckten Stereo-Sticker (im Original aufgeklebt!). Zudem sollten die Alarmglocken schrillen, wenn das Cover innen blütenweiß ist. Bedenken Sie, dass die LP 45 Jahre alt ist! Trotzdem müssen Sie bei dem Plattenhändler Ihres Vertrauens auch für die Fälschung noch 30 - 50 Euro ausgeben, wenn Sie die tatsächlich haben möchten. Bei ebay ist die LP nämlich kaum noch zu bekommen, weil Auktionen mit dem vermeintlichen Re-Issue (RI) zurecht sofort geschlossen werden. Es gab nie (!) ein Wiederauflage dieser Pressung.

An Nummer drei der teuersten deutschen Help-Ausgaben kommt die Hör zu-Pressung mit Linksschrift-Cover. Für ein gut erhaltenes Exemplar zahlen Sie bei ebay schon mal 150 Euro. Tendenz steigend. Aber auch hier wird beschissen, was das Zeug hält. Achten Sie unbedingt darauf, dass auf dem Label der Nachweis "Alle Rechte des Plattenherstellers" statt "Urheber- und Leistungsrechte..." zu lesen ist. Ansonsten haben Sie zwar das Original-Cover, aber die falsche LP. Ich weiß sehr gut, wovon ich rede... ;-)

Der Rest ist Brot und Butter. Für die reguläre Hör zu-Erstpressung mit großem Electrola-Aufdruck sollten Sie nicht mehr als 50 Euro ausgeben. Die beiden späteren Nachpressungen mit kleinem Electrola-Aufdruck  (1969) und dem TV-Logo auf dem Cover (1972) sind sicher für unter 30 Euro im Top-Zustand zu haben. Alle späteren deutschen Ausgaben bekommen Sie für 10 - 15 Euro bei ebay.

Ach ja: Mein persönliches Lieblings-Exemplar ist keines der bisher genannten, sondern ein Exot vom Zuckerhut. Todschick ist die brasilianische Ausgabe im Foliencover mit komplett anderer Songzusammenstellung. Nur der Sound lässt zu Wünschen übrig. Macht aber nix. Zum Abspielen habe ich die eh nicht gekauft.

 

sdds

8.5.2010  -  Was man zum Bewertungsschema gebrauchter Platten wissen sollte
Wenn Ihnen früher Ihr Mathe-Lehrer die Klausur mit den Worten "Da waren schon viele hoffnungsvolle Ansätze dabei" zurückgegeben hat, war sofort klar: Sie haben es wieder mal versaut. Denn nicht jede Beurteilung, die zunächst freundlich klingt, ist tatsächlich so gemeint.

Merken Sie sich das bitte auch beim Kauf von Platten über Online-Auktionshäuser wie ebay. Dort bewerten die Verkäufer den Zustand der gebrauchten LPs gemeinhin nach dem so genannten Goldmine-System. Dieses kennt sieben Stufen:

SS (Still sealed): Noch verschweißt, fabrikneu

M (Mint): Praktisch neu. Keine Beschädigungen, weder auf der Hülle noch auf dem Medium – vermutlich nie gespielt.

NM (Near Mint): Wie neu, Keine Beschädigungen, weder auf der Hülle noch auf dem Medium

EX (Excellent): Wenig Gebrauchsspuren, geringfügige Verschlechterung der Tonqualität. Das Cover ist geringfügig abgenutzt

VG (Very Good): Kleine Kratzer bzw. leichtes Rauschen können vorkommen. 

G (Good): Die Platte hat an Qualität verloren. Hat starke Kratzer. Das Cover zeigt Beschädigungen.

F (Fair): Die Tonträger sind akustisch völlig ohne Wert, da sie praktisch nicht mehr abspielbar sind. Das Cover ist zerrissen oder unvollständig erhalten. Nur bei seltenen Stücken lohnt hier ein Kauf zur Vervollständigung der Sammlung.

Hin und wieder ist noch von W (=Worn) zu lesen, was im Ranking unter Fair steht und  bedeutet, dass die LP meist in zahllose Einzelteile zerbrochen ist und als Puzzle versendet wird oder das Original-Cover durch eine Lidl-Tüte ersetzt wurde oder beides. Jedenfalls sollte man eine als "Worn" eingestufte Platte nur nach sehr reiflicher Überlegung kaufen. Leider gilt diese Empfehlung weitestgehend auch für LPs, die vom Verkäufer mit  F, G und vor allem VG (Very Good) bewertet werden. Streng genommen und wörtlich übersetzt steht "Very Good" für "Sehr gut". Vergessen Sie das aber bitte ganz schnell wieder, sofern es um gebrauchte LPs bei ebay geht. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe - naiv und in besten Absichten - zahllose dieser VG-Alben der Beatles bei ebay ersteigert. Und fast jedes Mal sind mir die Gesichtszüge entglitten, nachdem der Postbote die "Schätze" ins Haus gebracht hat. 90 Prozent dieser Platten besitzen mehr tiefe Furchen als das Gesicht von Keith Richards. Die Cover sind ausgefranst, eingerissen und enthalten kleine Namensstempel - wenn man Glück hat. Manchmal sind sie auch mit Hanuta-Klebebildern übersät. Oder einer der Vorbesitzer hat den auf dem Cover abgebildeten Personen Bärte und riesige Hornbrillen gemalt.  

Das wäre bei billigen Platten, die für ein paar Euro über den virtuellen Tresen gehen, nicht weiter tragisch. Wenn aber ein Verkäufer die "Something New" als "SMO-Pressung" mit "sehr gut" umschreibt, mehr als 100 Euro Erlös kassiert und dann eine Scheibe ausliefert, die lange Zeit als Servierbrettchen diente, hört der Spaß auf. 

Sie denken, das wäre eine Übertreibung? Ist es nicht! Jede noch so beschissene Platte wird bei ebay mit "VG" eingestuft. Das sollten Sie künftig bedenken, wenn Sie leichfertig den Finger am Abzug haben. Verräterisch sind in diesem Zusammenhang auch Ausführungen wie "Siehe Fotos" mit Verweis auf eine oder zwei briefmarkengroße Abbildungen, die bei Nacht oder aus mehreren Kilometern Entfernung aufgenommen wurden. Häufig zu lesen ist auch der Satz: "Habe keinen Plattenspieler mehr, deswegen...".  Gemeint ist damit: "Selbst wenn ich einen Plattenspieler hätte, würde ich diese Scheibe höchstens noch als Nagelfeile nutzen".  

Wenn auch Sie auf einen solchen Fake hereinfallen, gibt es zwei Möglichkeiten: 

1. Der Verkäufer nimmt den Mist zurück oder reduziert den Preis. (gut, aber selten)

2. Der Verkäufer kümmert sich einen Scheißdreck um Ihren Ärger. Mein Tipp in diesem Fall: Bleiben Sie freundlich, bitten Sie ihn um eine "sehr gute" Bewertung und versprechen Sie, ihn ebenfalls "very good" zu bewerten. Danach verewigen Sie so viele Gemeinheiten in seinem Bewertungsprofil, dass bei ebay künftig niemand mehr auch nur eine Büroklammer bei ihm kaufen würde. Dann, und nur dann, versteht auch der Verkäufer, dass die Beurteilung "very good" sehr viele Deutungsmöglichkeiten zulässt...  


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