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Archiv - April 2006
Hier lesen Sie alle Einträge vom April...
27. April 2006
Keinen Bock mehr auf
Bundesliga-Ergebniswetten, well Herr Hoyzer noch immer einflussreiche
Freunde unter den Schiedsrichtern hat und "Schweinis" Eigentor in Bremen
vielleicht doch kein Zufall war? Dann können Sie ab sofort auf
Auktionsergebnisse bei
Sotheby's und
Christie's zocken und so direkt beim Millionengeschacher mitfiebern.
24. April 2006 Dunkle Trainingsjacke (3-Streifen, spannt über dem Bauch) und schwarzer Haarwulst, der das blasse Gesicht umrahmt: So sahen vor 20 Jahren CVJM-Jugendleiter aus. Heute ist es das Markenzeichen des größten Shootingstars der internationalen Kunst-Szene: Jonathan Meese, Jahrgang 71, ledig, Maler, Performance-Künstler, Bildhauer, Bühnenbildner und Schauspieler.
Dennoch umwerfend gut - meint die
internationale Kunstszene. Als Performance-Künstler wird er mit Beuys
verglichen, als Maler mit Baselitz. Er hat(te) Ausstellungen in der ganzen
Welt (unter anderem in der Tate Modern, London), arbeitet mit etablierten
Größen wie Immendorff (Malerei) oder
Castorf
(Theater) zusammen und wird von
Art-Facts im
Ranking international gefragter Künstler bereits unter den Top 250
gelistet - Tendenz steigend.
In Hamburg startet am 30. April unter dem
Titel "Mama Johnny" die erste große
Retrospektive in Deutschland mit insgesamt 150 Gemälden, Skulpturen,
Fotos und Installationen. Falls Sie dort sind und einen dicken Zottelbär in
Trainingsjacke sehen, lassen Sie sich die Eintrittskarte signieren. Dieses
Autogramm
könnte bei ebay in einigen Jahren hundert Euro bringen. Seine
Bilder sind schon jetzt unbezahlbar.
18. April 2006
Egal, wie mies das Bild ist, sofern es keine
Signatur hat, lässt es sich prima einem großen Namen zuschreiben: das
eiserne Gesetz der ebay-Abzocker. Als Voraussetzung dafür gilt, dass sich
der Anbieter zumindest ein paar Minuten mit dem Stil, der Technik und dem
Motiv auseinandersetzt und einen möglichen Kandidaten aus seinem
Kunstlexikon herausfischt.
Keinen Bock auf so viel Stress hat ein Verkäufer aus Brüssel, der aber dringend Geld braucht. Nicht nur ein Altmeister, sondern gleich zwei sehr berühmte Maler kämen als vermutliche Erzeuger seines Ölbildes in Betracht. Welche das sein sollen, bleibt (s)ein Geheimnis. Das Bild soll für sich sprechen. Tut es aber nicht. Die beiden Cowboys am Strand (einer mit einem Topf in der Hand, der andere hält eine Wünschelrute) blicken dümmlich von der Leinwand. Der belgische Anbieter nennt das "metaphysisch".
Übrigens: Das Gemälde steht bereits zum
zweiten Mal auf der
ebay-Liste. Startpreis dieses Mal: 999 Euro. Das sind immerhin rund
400 Euro weniger als beim ersten Versuch Anfang April.
14. April 2006
10. April 2006
Zu den verlogensten Druckerzeugnissen seit
Gutenberg gehören Möbelhaus-Kataloge. Egal, ob die guten Stücke "Sören",
"Ole" oder einfach nur "Schrankwand Buche" heißen, im Einrichtungsheftchen
wirken die einfach schick. Weil sie klasse fotografiert wurden. Und weil
Designer-Schnick-Schnack im Hintergrund die Sachen perfekt in Szene setzt.
Weil die Wände Bordeaux-farben ("mediterran") gestrichen sind und der
Sonnenschein durch ein scheunentorgroßes Fenster fällt und den ganzen Raum
weich zeichnet. Eine Hinterhältigkeit, die sich nun auch zahlreiche Galeristen zunutze machen. Vor allem bei ebay. Im passenden Ambiente verwandeln sich auch die lausigsten Ölgemälde zu musealen Meisterwerken. Cleverer Verkaufstrick? Nicht nur. Erstens findet eine künstlerische Kastration statt. Das Bild wird kurzerhand zum Einrichtungs-Add-on degradiert. Zweitens harkt es an den dargestellten Wohnsituationen. Buntes Bild über weißer Couch vor weißem Tisch mit weißer Vase ist selbstverständlich ein Eye-Catcher, aber doch reichlich weit weg von der deutschen Wohnzimmer-Realität. Ich kennen jedenfalls keinen, der in einer Luxus-sanierten Fabrikhalle ohne Möbel lebt. Um Ihnen Enttäuschungen beim Bilderkauf dieser Art zu ersparen, habe ich keine Mühen gescheut und fünf tolle Gemälde aller Preisklassen mit realen Wohnsituationen verknüpft.
1. Erotik im
2. Ernst Fuchs im
3. Helnwein im ► Wohnbeispiel ► Wohnbeispiel ► Wohnbeispiel
4. Jackson Pollock
5. Van Gogh
6. 2 Rizzi-Bilder ► Wohnbeispiel ► Wohnbeispiel ► Wohnbeispiel
6. April 2006
So stellt sich der Maler Karmers auf seiner Webseite selbst vor. Er ist der konsequente Gegenentwurf zum Prosecco-Vernissagen-Kunstbetrieb. Uneitel, selbstironisch und erfrischend gut. Finde ich zumindest und meine, das reicht für den (Geheim-)Tipp des Monats im April.
3. April 2006
Bislang kannte ich
Paul Allen nur als
steinreichen Microsoft-(Mit)Gründer.
Nun sollte man sich den Namen auch merken, wenn es um Kunst-Mäzene geht.
Zwar heißt es auch bei Gates, dass der sein Geld nicht nur für Aktien und
Stiftungen ausgibt, sondern auch das ein oder andere Bild kauft, was aber
Allen in den letzten 20 Jahren von seinen Kunsthäschern hat zusammenraffen
lassen, dürfte Deutschlands vereinigte Kuratorenschaft erblassen lassen: Der
MS-Multi besitzt Originale von Monet, Picasso, Gauguin, Van Gogh,
Lichtenstein, Renoir und Richter, um nur einige wichtige Vertreter der
Moderne zu nennen. Immerhin lässt der gute Mann die Allgemeinheit daran
teilhaben und hat nun ein
Privat-Museum
eröffnet, das sich sicherlich nicht vor staatlichen Sammlungen verstecken
muss.
Wie viele hundert Millionen US-Dollar Allen in Kunst investiert hat, weiß niemand. Sicher aber ist, dass er mit seiner Kaufwut die Preise schön am oberen Limit hält. Und dass er mit seinen Investor-Tentakeln alle Sahnestücke zwischen Grönland und Tasmanien abgreift, die auf teurer Leinwand gemalt und in Katalogen erfasst wurden. Vielleicht waren es auch seine Schergen, die mir am Sonntag Abend bei ebay in die Suppe gespuckt hat. 13 Sekunden (!) haben mir zum Schnäppchen meines Lebens gefehlt. Angeboten wurde ein surrealistisches Motiv von Anderle. Fast komplette 6 Tage waren User "Dickschwein" (Name von der Redaktion geändert, aber nur ein bisschen...) und ich mit Werkverzeichnis Nr. 151 allein. Habe den Nachmittag bei bestem Wetter vor dem PC rumgelungert, pausenlos den Bieter-Status aktualisiert und sogar 30 Sekunden vor Schluss noch mal von 99 Euro auf bombensichere 124 Euro "upgegradet". Und dann kamen zwischen 17:59:47 und 17:59:57 gleich vier (!) Gebote, die den Ausgabepreis insgesamt fast verdoppelt haben. *Würg*
Na ja, es war eines von insgesamt 70 Blättern. Außerdem hatte es laut Beschreibung "Lagerspuren". Was immer das sein mag. Vielleicht ist ein Gabelstapler drüber gefahren. Nicht, dass ich das dem neuen Besitzer wünschen würde, aber....
...
Extralot hat sowieso noch weitere Ausgaben vom gleichen Motiv, die die
Online-Galerie sicherlich in den nächsten Tagen bei ebay wieder einstellen
wird. Und die werden wieder 4, 5 Tage bei 3,52 Euro stehen und dann abgehen
wie eine Rakete. Und ich werde dieses Mal ganz sicher die Füße still halten.
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