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Archiv - April 2007

Hier lesen Sie alle Einträge vom April...
 

27. April 2007
Wenn Namen verschachert werden...

Kurzer Nachtrag zum Flop des Monats im April: Rund eine Milliarde Euro zahlt Abu Dhabi für den Namen "Louvre", der in den kommenden Jahren den "Kunstrummelplatz der Superlative" schmücken und Besucher anziehen soll. Für soviel Geld dürfen die Scheichs auch eine Gegenleistung erwarten. Paris wird unter dem Namen ""Zayed Bin Sultan Al Nayan" neue Ausstellungssäle bauen lassen. Wer dieser Typ war? Kein Künstler und kein Mäzen, sondern ein verstorbener Emir. Wohl bekomm's.


23. April 2007
Zitate der Woche

Am 26. April 1937 wurde die spanische Stadt Guernica durch deutsche Bomberstaffeln zerstört. Picasso malt daraufhin für die Weltausstellung in Paris das berühmte, gleichnamige Gemälde. Dieses Zitat dazu ging in die Kunstgeschichte ein:

"Nein, das wart ihr."

(Picasso 1937 auf die Frage eines deutschen SS-Mannes, ob er für das Bild Guernica verantwortlich sei.)

Passt zwar nicht in den Zusammenhang, ist aber ein nettes Zitat von Schauspieler Hugh Grant, das ich in der neuen Art gefunden habe: "Die Basis aller modernen Kunst ist Bullshit". Dieser Auffassung schließt man sich gerne an, wenn man Jonathan Meeses Verbal-Diarrhoe im gleichen Heft zum Thema "Gibt es noch eine deutsche Kunst?" gelesen hat. Der Titel seines selbstverliebten Essays: "Kunst ist das kindlichste ORAKEL des Vogelfreisten". Kann man so sehen, muss man aber nicht.


16. April 2007
Top-Ten der No-No's

Nach dieser extrem windigen ebay-Auktion eines Picasso-Gemäldes auf Karton, die es immerhin zum Flop des Monats März gebracht hat, werde ich hin und wieder per Mail gefragt, ob ich dieses oder jenes Kunst-Angebot bei ebay für vertrauenswürdig halte. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Ich habe nicht die geringste Ahnung. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass jemand ein Frühwerk von Chagall auf dem Dachboden findet und dann bei ebay verhökert. Ausschließen kann man das aber auch nicht. Nicht nur unter den Käufern gibt es ausreichend Trottel - die sind auch unter den Anbietern zu finden.
 

Gemälde von P. Brueghel d.Ä. (?) bei ebay  Gemälde von P. Brueghel d.Ä. bei ebay (??)

(Unfassbarer O-Ton aus der ebay-Beschreibung:)


"Das BREUGHEL Gemälde stammt von einer alten Frau, Das Bild kommt aus der Familie und war noch Nie im Handel usw. gewesen.(...)
Das Bild ist sehr sehr alt, Öl auf Leinwand. Größe 85x68cm. Es galt immer als eine Arbeit von Pieter Breughel, was sicherlich auch zutreffend ist Wenn das Gemälde gereinigt wird werden die Farben wesentlich heller und besser zur Geltung kommen, der Zustand ist ok aber auch mit Fehlern, Risse am Rand usw, für ein Gemälde um 1600 sicher nicht ungewöhnlich."



Die Frage nach dem Wert und der Echtheit eines Kunstwerkes ist vor allem im Midprice -Segment von entscheidender Bedeutung. Bei Bildern im Niedrigpreisbereich wie Radierungen spielen Expertisen keine Rolle, bei Gemälden mit 5stelligem Wert sind sie unerlässlich. Problematisch ist genau die Zone dazwischen. Zeichnungen von Schiele, Dalí oder auch Macke - wie sie häufig bei ebay für weniger als 2000 Euro unter den Hammer kommen - sind echte Schnäppchen. Sofern sie denn echt sind. Diese Frage aber kann Ihnen nur ein ausgewiesener Experte beantworten - dessen Auskunft mitunter recht teuer ist. Allerdings kommen Sie auch mit Ihrem gesunden Menschenverstand schon ein gutes Stück weiter, wenn Sie die Angebotsbeschreibung sorgfältig lesen, die Verkaufsargumente des Anbieters 2mal überdenken und sich zumindest bei Wikipedia zum Künstler und seinem Werk informieren. Hier mein Top-Ten der absoluten "no-no's" in den Artikelbeschreibungen, die bei ebay sehr häufig auftauchen und mir das beruhigende Gefühl geben, mich mit dem Angebot nicht weiter auseinandersetzen zu müssen.
 

1. Künstler wird falsch buchstabiert oder Lebensdaten stimmen nicht. Wer aus "Franz Marc" einen "Franz Mark" macht, kann sich nicht glaubhaft als Kunstsammler bezeichnen. Und Brueghel sollte man auch schreiben können (s.o.) und wissen, dass Pieter Brueghel der Ältere um 1600 schon 31 Jahre tot war. Und komme mir jetzt bitte keiner mit einem Flüchtigkeitsfehler...

2. Absurde Zuschreibungen. "Ich kann die Signatur nicht genau lesen, aber meines Erachtens sieht es aus, wie...." Ein häufiger Satz bei ebay. Völlig egal, wie die Unterschrift aussieht, sie stammt garantiert nicht von dem, den der Verkäufer im Anschluss nennt.

3. Frühwerke ohne Signatur. Drei Striche, ein gelber Klecks, ein blauer Kreis. "Könnte ein früher Kandinsky sein?" Könnte es nicht, denn der hat "früher" gegenständlich gemalt. Die vermeintlichen Frühwerke entpuppen sich häufig als plumpe Fälschungsversuche, die man bequem über eine kurze Wikipedia-Recherche auffliegen lässt.

4. Mitleid-Story als Verkaufsargument. "Habe meinen Vater, meinen Geldbeutel und ein Bein verloren und muss mich deshalb von meiner Magritte-Sammlung trennen". Wen interessiert das? Wer Original-Kunst teuer verhökern will, reicht sie bei einem Auktionshaus ein. Die reißen sich darum - zumindest um die guten Sachen.

5. Abstruse Wert-Schätzungen. "Ich habe dieses Bild 1981 für 6000 Mark gekauft, laut Experten soll es schon jetzt 1,5 Millionen Euro wert sein..." Ist klar, deswegen wird es jetzt auch bei ebay für 153,20 Euro verhökert... Schön sind in dem Zusammenhang auch Wert-Prognosen wie: "In 10 Jahren wird dieses Bild... XX Millionen Euro wert sein". Na, dann behalte es doch als Alterssicherung...

6. Verkäufer aus USA oder Ostasien. Das Werk wird detailliert und fehlerfreie in deutscher Sprache beworben, geliefert aber wird es aus den USA oder China? Würde ich immer die Finger davon lassen. Wenn die Beschreibung nicht mit dem gelieferten Produkt übereinstimmt oder die Lieferung gar nicht kommt, dürfen Sie international prozessieren, um einen Teil Ihres Geldes wiederzusehen.

7. Nicht-öffentliche Bieterliste. Alle seriösen Kunst-Anbieter bei ebay lassen die Auktionen transparent laufen - Fight mit offenem Visier. Nicht-öffentliche Bieter-Listen könnten darauf hindeuten, dass der Preis von einigen "Strohmännern" des Verkäufers bewusst in die Höhe getrieben wird. 

8. Wunderliche Provenienz. Wenn es um den Verkauf alter Gemälde geht, muss meist der ominöse "Opa" herhalten, dem das extrem wertvolle Bild schon vor dem Krieg gehörte und zu dem man bedauerlicherweise keine weiteren Referenzen mehr habe. Gerne genommen wird auch das Argument: "Bild ist nicht signiert, stammt aber definitiv von XY, den mein Vater persönlich gekannt hat". Kann man glauben, sollte man aber nicht.

9. Verkäufer antwortet nicht auf Fragen. Wenn Sie tatsächlich erwägen, 1000 Euro oder mehr bei ebay für ein Kunstwerk zu investieren, sollten Sie den Verkäufer all das fragen, was in der Beschreibung fehlt oder doch zu abstrus klingt. Vielleicht können Sie das Bild auch vorher "live" begutachten? Wer nicht auf Fragen reagiert, patzig oder einsilbig antwortet, fällt raus.

10. Ausschluss jeglicher Gewährleistung und Rücknahme. Klar, Privatverkäufer müssen keine Rücknahme anbieten. Bei Händlern ist das anders. Schauen Sie sich unbedingt die Verkaufsliste der letzten Monate an. Wer regelmäßig Kunstwerke vertickt, ist nicht mehr privat unterwegs, bescheißt vermutlich die Steuer und müsste von Rechtswegen ein 14tägiges Rückgaberecht einräumen. Tut er das nicht, sollten Sie nicht auf "Bieten" klicken.


06. April 2007
Großzügige Schenkung

Eine eher kleine Kulturmeldung vom letzten Dienstag bei 3Sat:

"Kuwait schenkt Pariser Louvre fünf Millionen Euro

Kuwait hat dem Louvre in Paris eine Schenkung von fünf Millionen Euro für den Ausbau seiner Sammlungen gemacht. Das Emirat verband dies nach Mitteilung seiner Botschaft vom Montag in der französischen Hauptstadt mit dem Wunsch, so zu einer verstärkten kulturellen Zusammenarbeit mit Frankreich und vor allem mit seinem wichtigsten Museum beizutragen.(...)"

Klingt nach einer noblen Geste. Passiert aber wohl nicht ohne Hintergedanken. Denn einige Öl-Millionäre im Nahen Osten planen das Museum der Superlative in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und der Louvre ist dabei von entscheidender Bedeutung - unter anderem als Namensgeber. Mehr dazu im aktuellen Flop des Monats.


02. April 2007
Michael Ebel ist der neue Tipp des Monats

Eigentlich wollte ich ihn als Budget-Tipp anpreisen: Michael Ebel, neuer Tipp des Monats April. Aber dann würde sich vielleicht der eine oder andere an Leonore Zimmermann erinnern, den ersten und einzigen Budget-Tipp dieser Webseite überhaupt.
 

Bacon II, Acryl, 150 x 120cm  Bacon II, Acryl, 150 x 120cm



Im gleichen, seichten Fahrwasser schwimmt die "Ebelsche Malerei" ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Psychologische, mitunter psychedelische Motive, die beim Betrachter automatisch eine ganz Reihe von Fragen aufwerfen. Recht so, denn Ebel geht es nicht um Gefälligkeit.


Aber die Preise dürften gefallen. Angesichts der Güteklasse sind die großformatigen Acrylgemälde sehr günstig. Finde ich zumindest.
 

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