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Tipp des Monats - Januar

Was mir gefällt, finden Sie vielleicht grauenhaft. Vielleicht aber auch nicht.
Auf dieser Webseite finden Sie regelmäßig Bilder, die ich mir gekauft habe oder kaufen würde, wenn ich das Geld und noch Platz an den Wänden hätte.

Uta Zaumseil - Auflagen-Unikate

Understatement ist ein ostdeutscher Begriff. Sie werden mir zustimmen, wenn Sie Uta Zaumseil kennen lernen. Dann erfahren Sie von der Thüringer Künstlerin viel zum Entstehungsprozess ihrer Holzschnitte, dass sie Kino liebt und dass es in München deutlich schwerer ist, jemanden um 'ne Kippe zu bitten als im "wilden Osten". Zu ihren Auszeichnungen und Preisen verliert sie aber kein Wort. (Kunstpreis der Kunsthalle Weimar, Gutenbergpreis, IG Metall Kunstpreis - nur der Vollständigkeit halber). Das muss man schon nachlesen. Ist aber gar nicht so einfach, denn eine Webseite hat sie (noch) nicht. Und auch ihre Galeristen haben das Internet noch nicht entdeckt.

Schade, denn ihre Arbeitsweise ist unkonventionell und die Motive voller erzählerischer Dichte. Phantastische Bilder.

"Eins, Zwei, Drei", 2005 Linolschnitt, 31 x 92 cm, (Auflage: 2)

"Eins, Zwei, Drei", 2005, Linolschnitt, 31 x 92 cm, Auflage: 2 (Scan!)


Zaumseil malt nicht. Sie skizziert nicht mal Vorlagen für ihre Bilder. "Ihre" Techniken sind Holz- und Linolschnitte. Das hat sie bereits in der Schule gelernt und so oft erprobt, dass jeder Schnitt und jeder Stich perfekt sitzen. Es gibt niemals Korrekturen. "Wenn ich anfange, habe ich das Ergebnis bereits vor dem geistigen Auge. Der Rest ist Handwerk." versichert sie. Rund 3 - 4 Wochen arbeitet sie an den querformatigen Bildern. Das Besondere daran: In der Regel fertigt sie nur einen einzigen Druck an, selten zwei oder mehr. "Auflagenkunst bedeutet nicht Vervielfältigung" meint Zaumseil. Recht hat sie.

Die gegenständlichen Motive haben mich zuweilen an Arbeiten von Neo Rauch erinnert. Schnappschüsse des Alltags, deren Logik aber häufig durch die hintersinnigen Kompositionen der Autodidaktin jäh unterbrochen wird. Indem sie mit den Dimensionen bekannter Dinge spielt oder ihre Momentaufnahmen in ein psychedelisches Licht taucht, verwandelt sie Bekanntes in Unbekanntes und zwingt den Betrachter, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Surrealismus? Ein bisschen. Aber nicht so plakativ wie bei den Dalí-Kopisten und längst nicht so überladen wie bei Rauch.

Ihre Geschichten sind eher melancholisch als aufwühlend, und vor allem persönlich. Zum zentralen Gegenstand ihrer Arbeiten werden immer wieder Ausschnitte ihrer Fotos. Sie dienen als Inspiration und Vorlage für die Protagonisten ihrer Storys oder komplettieren die Kulisse ihrer bizarren Bildwelten.
 

"Skaterboy", 2004, Holzschnitt, Foto,  80 x 179 cm

"Skaterboy", 2004, Holzschnitt, Foto,  80 x 179 cm

 

 "Oskar raucht", 2006, Linolschnitt, Foto,  60,8 x 159,3 cm

 "Oskar raucht", 2006, Linolschnitt, Foto,  60,8 x 159,3 cm


Das erzeugt Kontraste, aber keine Brüche. Weil Zaumseil mit traumwandlerischer Sicherheit ihre Technik beherrscht, so gut, dass man zuweilen vergisst, dass es sich nicht um Malerei handelt.
 

Preise: Greifen Sie zu. Noch ist Zaumseil ein echter Geheimtipp. Die meisten Sachen vertreibt sie in Eigenregie - zu sehr fairen Preisen. Zwischen 900 und 2000 Euro kosten die großformatigen Grafiken. Kontakt können Sie mit der Künstlerin telefonisch aufnehmen.


Telefon Uta Zaumseil: (036622) 71461; E-Mail Uta Zaumseil

 

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