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Flop des Monats - Januar 2007

Über Kunst kann man sicherlich streiten. Nicht aber über Geschmacksverirrungen. Oder doch? Freuen Sie sich hier regelmäßig über Kitsch, skurrilen Mist, dreiste Kopien und sonstigen Kram, der irrtümlich als "Kunstobjekt" angeboten wird.

Kriztel-Kunst

Ich bin nicht konservativ. So was habe ich bislang eher der Art unterstellt. Aber was das (informative) Kunst-Magazin da in der Januar-Ausgabe auf den Titel gehoben hat, korrigiert alle Vorurteile. Unter der Bezeichnung "Kritzelkunst - Schnellzeichner erobern die Galerien" werden ein deutscher, ein rumänischer und ein schottischer Künstler vorgestellt, die sich (unter anderem) Strichbildern und Wandkritzeleien widmen. Das ist ihr gutes Recht und würde mir normalerweise höchstens ein wohlwollendes "Pff" entlocken. Zumal die drei fernab der Strichbilder hervorragende und einfallsreiche Arbeiten abgeliefert haben, allen voran David Shrigley.  
 

Dan Perjovschi "On the other hand", 2006   Poetische Wandkritzelkunst, die laut Art bald den Kunstmarkt
       erobert. Dan Perjovschi "On the other hand"

 

Aber der beweihräuchernde Text der Art dazu ist dann doch zuviel des Guten:


 

"Sie kritzeln Strichmännchen auf Kaffeetassen, schmieren Beschimpfungen an die Innenwände von Ausstellungsräumen und krakeln Bösartigkeiten über Siegfried und Roy auf billige Zettel. Nichts, so scheint es, ist vor den anarchischen Zeichnern sicher. Mit derangierten Filzstift-Gestalten und respektlosen Texten erobern Dan Perjovschi, David Shrigley und Markus Vater den Kunstmarkt. Doch hinter den flapsigen Gesten stecken poetische Gedanken, philosophische Fragen und politische Statements".


"Mist", möchte man meinen, warum ist noch keiner der Millionen Schüler auf diese Argumentationen gekommen, als sie mit Filzschreibern die Tische bemalt oder gekonnt die Klotüren koloriert und betextet haben? Ich habe seinerzeit mit einem Zirkel die Gladbach-Raute und das Profil von Günther Netzer in unzählige Tische des Neustädter Leibniz-Gymnasiums geritzt. Fanden die feinen Pädagogen-Herrschaften aber nicht so dolle wie die Redakteure der Art. Mit der Entschuldigung "Philosophie, Poesie und Ausdruck meiner politischen Gesinnung" wäre ich bei dem Pfälzer Kunst-Banausen-Pack (fiese Ärsche) nie durchgekommen.

 Markus Vater: "Wolke", 2004                                                 Unbekannter Künstler "Hotzenhirsch", 2006


Und wie weit geht die Toleranz der Künstler und ihrer Galeristen, wenn der eigene, heranwachsende Nachwuchs die Fingerfarben entdeckt und mit lustigen "Höhlenmalereien" die Kinderzimmerwände verschönert? Andächtiges Bestaunen wäre konsequent. Eine fetter Anschiss dagegen pure Doppelmoral.

Perjovschi wird in dem Artikel zitiert: "Alles kann zum Gegenstand meiner Zeichnungen werden, also nehmt euch in Acht!" Geiler Spruch! Ich wünschte, mir als Schüler wäre das seinerzeit eingefallen.




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