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Flop des Monats - August 2007

Über Kunst kann man sicherlich streiten. Nicht aber über Geschmacksverirrungen. Oder doch? Freuen Sie sich hier regelmäßig über Kitsch, skurrilen Mist, dreiste Kopien und sonstigen Kram, der irrtümlich als "Kunstobjekt" angeboten wird.

Land Art am Ammersee!?

Außerirdische? Windhosen? Geheimnisvolle Erdkräfte? Oder im Kreis symmetrisch fi*** Wiesentiere? Bauer Hubert P. steht vor einem Rätsel. Am ersten August-Wochenende findet er die schicken Kreiszeichnungen in seinem Feld am Ammersee. "Zufällig" wohnt im Nachbarort ein guter Bekannter, der sich auf das altehrwürdige Wünschelruten-Handwerk versteht. Und der kommt überraschenderweise zu dem Schluss: "Kein menschliches Einwirken". Eine fundierte Diagnose, die einen fast einseitigen Beitrag in der Münchner Tageszeitung "tz" rechtfertigt. Für derartige Feld-Phänomene existiert sogar ein internationales Zentralarchiv, das so genannte "Cropcircle Archive".
 

Außerirdische oder Kunst? Kreisrunde Zeichen am Ammersee

Land Art oder Teufelswerk? Kreise in einem Feld beim Ammersee...    
 

Schade, dass es dem Bauern (oder den Außerirdischen, den fi*** Karnickeln, oder wer auch immer der Urheber war) nur um die schnelle Schlagzeile ging. Ein Eintrag in der Art wäre nämlich auch drin gewesen, samt möglicher Künstler-Karriere im Anschluss.

Künstler wie Robert Smithson, Walter de Maria oder Andy Goldsworthy sind mit solchen Kunstwerken aus und in der Natur reich und berühmt geworden.

Ich zitiere das Stichwort "Land Art" im "Schnellkurs Kunst im 20 Jahrhundert" von Jochen Petter, Dumont-Verlag, 2004:

Für viele  Künstler der sechziger und siebziger Jahre bedeutet die Verlagerung ihrer Arbeit vom Atelier in die weite Landschaft auch den Versuch, dem Netzwerk der Galerien und Museen zu entkommen. Ausschlaggebend aber ist der Wunsch nach Erweiterung der Kunst über das kulturelle Feld hinaus in die Natur. (...) Gleichzeitig setzen sie auf eine strenge geometrische Umsetzung formaler Eingriffe als Dialog mit den elementaren Aspekten von Horizontale und Vertikale, Masse und Leere."

Keine Frage, Bauer Hubert P. hat sich streng an die Definition gehalten, als er mit Mähdrescher und Sense die hübschen Kringel gemalt hat. Dass die "tz" ihm dafür keinen Eintrag im Feuilleton spendiert, sondern einen auf Mystery-Story macht, ist ungerecht und wird den Landwirt wohl in seiner künstlerischen Entwicklung bremsen. Als Motivationsschub spendiere ich ihm diese Seite. Und wenn er beim nächsten Mal was nettes ins Korn malt, beispielsweise die Gladbach-Raute (Wappen von Borussia Mönchengladbach) hat er Chancen auf den Tipp des Monats. Hubert, wir geben dich nicht auf!




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