|
|
![]() |
Stichworte |
|
|
> November > Oktober > September > August > Juli > Juni > Mai > April > März > Februar > Januar
|
Archiv - September 2006
Hier lesen Sie alle Einträge vom September...
29. September 2006
Ein paar (alarmierende) Zahlen zum Wochenende: Die von mir erwähnten Hitler-Aquarelle wurden am vergangen Dienstag nicht zu den ursprünglich erwarteten 30 000 Euro verkauft - sondern zu Spitzenpreisen von bis zu 170 000 Euro - pro Bild wohl gemerkt! Für das Geld könnte man sich im Saarland ein schönes Haus kaufen. Das aber nur nebenbei, denn ich persönlich will weder ein Hitler-Aquarell noch ein Häuschen im Saarland.
Jetzt aber Schluss damit und zu einem ganz
anderen Thema:
Die Zeitschrift
Art hat Einzelheiten zur
Versteigerung im
Münchner Haus der Kunst veröffentlicht. Sie erinnern sich? Die
Depot-Werke werden am 9. und 10. Oktober in München verzockt. Auch das wird
nichts für den schmalen Geldbeutel. Eine Zeichnung von
Toni Stadler hat den kleinsten Ausrufpreis mit 500 Euro. Gerhard
Richters Dschungelbild von 1971 soll demgegenüber für 400 000 bis 600 000
Euro einen neuen Käufer finden.
27. September 2006
Künstler mit mäßigem Talent gibt es wie Sand
am Meer. Wer dennoch in die internationalen Schlagzeilen kommen will, muss
sich etwas Besonderes einfallen lassen. Der Australier
Tim Patch weiß, wovon ich rede.
Zahlreiche Beiträge wurden ihm weltweit gewidmet - allerdings nicht in Kunstzeitschriften, sondern vorwiegend in Herrenmagazinen. Unter dem Pseudonym "Pricasso" malt Patch Portraits und benutzt dabei sein bestes Stück als Pinsel. Das glaubt ihm erst einmal niemand, deswegen lässt er sich beim "Schaffensprozess" filmen. Auf Wunsch können Sie ihn auch als Party-Highlight mieten und der "Schwengel-Art" live zusehen. Das kostet so um die 100 Australische Dollar, je nach zeitlichem Aufwand.
Eine
Internet-Galerie hat Pricasso auch schon. Das aktuelle Angebot an
Genital-Bildern (die kosten je 300 Dollar) ist aber sehr überschaubar. Neben
dem oben dargstellten Gemälde steht noch ein
Portrait von George W. Bush zum Verkauf. Dass er den mit seinem Schwanz
abgebildet hat, erscheint ausnahmsweise plausibel.
25. September 2006
Die Zahl der deutschen Ferngespräche nach GB dürfte am morgigen Dienstag merklich ansteigen - nicht nur aus dem Bundesland Mecklenburg Vorpommern.
19. September 2006
Den Namen Ignaz Walter kennen Sie vielleicht aus der Wirtschaftspresse. Der ehemalige Patron der Walter Bau AG aus Augsburg meldete im Februar 2005 Insolvenz an, nachdem er kurz zuvor seinen Posten als Aufsichtsratvorsitzender räumen musste - auf Druck der Banken und Anleger. Das kratzt an der Eitelkeit, finanziell wird es der Baulöwe verschmerzen können. Sein Vermögen wird auf mindestens 700 Millionen Euro geschätzt.
Warum ich das erzähle? Weil Walter und ich
uns ähnlicher sind, als man glauben sollte. In Sachen Kunst wohlgemerkt.
Walter sammelt Bilder und Glaskunst. In Augsburg hat er ein
Privatmuseum eröffnet, das auf ein dezentes Missverhältnis von
Sammlertrieb und Sachverstand schließen lässt. Und das finde ich wirklich
sympathisch! Denn mir ging es ja genauso - beispielsweise beim Kauf der
beiden ätzenden Dalí-Holzschnitte. OK, ich habe nur ein paar Hundert Euro
investiert und die beiden Dinger nach nur einem Tag zurückgegeben. So
etwas hingegen würde Walter wohl nicht machen. In seinen
Fabrikhallen-großen Ausstellungsräumen findet man alles - bis auf ein
Konzept. Zunächst sind da die Nachkriegs-Größen der deutschen, expressiven
Malerei vertreten:
Lüpertz,
Immendorff,
Baselitz,
Heisig,
Penck, dazu die "Stars" wie
Gerhard Richter und
Polke
Tadeusz,
Bisky und
Leiberg. Die Genannten untereinander wären stimmig und würdevoll
(obwohl es sich in einigen Fällen um eher belanglose Motive handelt, wie
man mit einem Blick auf die
Richter-Miniaturen unschwer festestellt). Angemessen - und vielleicht
ein bisschen langweilig wäre das.
Aber Eintönigkeit kommt nicht auf - eher
Kirmes-Flair. Denn die gesamte Meister-Sammlung wird durch die
unglaubliche Masse an handverlesenem Kitsch karikiert.
Ein Riesenspaß für den Betrachter sind die Bilder von
C. Schenk und die Portraits von
Gisela Franz-Osterwald. Dass deren Motive so eng aneinander hängen, dass
nicht einmal ein Papierschnipsel mit dem Titel dazwischen passt und die
Gemälde zu einem einzigen, undefinierbaren Flickenteppich verschmelzen,
könnte ein Hinweis darauf sein, dass Walter durchaus mit Humor an die
Sache geht.
Für diese Theorie spricht auch das Vorwort
seines Ausstellungskataloges.
Wohl wahr. Und nach dem Besuch dieser
Ausstellung noch ein bisschen länger. Wer in der Nähe von Augsburg ist, sollte sich den von Walter angesprochenen Museums-Spaß nicht entgehen lassen. Im Untergeschoss des Glaspalastes ist eine Zweigestelle der Münchner Pinakothek der Moderne (derzeit mit Motiven von Rauschenberg, Warhol und Motherwell) - der Unterhaltungswert im ersten Stock "bei Walter" ist aber aber sicherlich noch ein bisschen größer.
15. September 2006
Die Mona Lisa stammt von da Vinci und hängt im Louvre. Weiß man doch. Das steht in jedem Kinderlexikon und würde bei Jauch nicht mal den Stoff für die 100 Euro-Frage liefern. Aber ist es auch die echte? Das wird tatsächlich diskutiert - und zwar heftig und mit Inbrunst von den Menschen, die glauben, sie besitzen das Original. Hintergrund: 1911 soll gerüchteweise das berühmte Gemälde aus dem Louvre gestohlen worden sein. Wegen eben dieser Peinlichkeit habe sich das Museum entschlossen, ein Replikat aufzuhängen. Das, so meinen einige Sammler und (Pseudo-)Experten, hänge noch immer da und werde täglich von zig Tausenden bestaunt. Das wäre theoretisch sogar denkbar. Auch im berühmten Madrider Prado hängt eine Replik.
Das Original - oder zumindest die bedeutende Erstfassung des berühmten Motivs - wollen gleich sechs unterschiedliche Kunstfachleute besitzen. Eines davon hat ein Antiquitätenhändler angeblich 1944 bei einem Trödler in Frankreich billig eingekauft. Glaubwürdiger ist da schon die Variante der Vernon-Familie, die nachweislich Originale einiger namhafter Renaissance- und Barockmaler besitzt, darunter angeblich auch Bilder von Da Vinci.
12. September 2006
In pathetisch-ausholenden Bewegungen
schmiert ein schwitzender Typ mit Pferdeschwanz schwarze Balken auf eine
Leinwand und murmelt wirres Zeug. Wenige Meter davon entfernt sitzt das
Tribunal eng zusammen auf einer Ledercouch. Drei ältere Herren und eine
junge Frau (gut aussehend). Alles publicitygeile Typen, die verächtlich
das Kunstwerk mustern und leise das vernichtende Urteil vorformulieren.
Immendorff könnte dabei sein, dazu ein Kunstprofessor aus Bielefeld oder
Magdeburg, die Moderatorin eines Kulturmagazins bei ARTE und natürlich
Dieter Bohlen (der darf nicht fehlen). Und das alles vor einem
Millionenpublikum, denn RTL überträgt live unter dem Motto "Deutschland
sucht den Super-Maler".
Völlig beknackte Vorstellung? Nicht bei den Amis. In der neuen Reality-TV-Serie Artstar kämpfen acht (Pseudo-) Künstler um einen Auftritt beim amerikanischen Top-Galeristen Jeffrey Deitch.
So abstrus - (und langweilig, wegen fehlender Big-Brother-Eklats) - diese Inszenierung sein mag. In den USA hat sie bereits Wirkung gezeigt. Die Bereitschaft, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, hat deutlich zugenommen. Allerdings nur bei den acht Kandidaten. Das TV-Publikum hat den Kunst-Kick noch nicht für sich entdeckt. Schade, oder?
8. September 2006
Soll noch mal einer behaupten, bei ebay würde nur billiger Plunder angeboten. Ganz aktuell steht ein Helnwein auf der Liste - und zwar ein Original (also Unikat!) aus der James Dean-Serie. Das Gemälde hat die raumgreifenden Maße von 250 cm x 150 cm. Und der Verkäufer setzt den Startpreis auf unbescheidene 99 999,00 Euro. Dass der Anbieter bei ebay mit dem durchaus wertvollen Gemälde etwas deplaziert ist, war ihm wohl schon bewusst, als er das Kunstwerk eingestellt hat. Anders lässt sich der unfreiwillig-komische Begleittext kaum erklären.
Auszug aus der Beschreibung:
"(...) Ein sehr beachtliches und
beeindruckendes Bild. Auf dem kommenden Bild sitzt der Maler Gottfried im
Atelier auf seiner Burg vor dem Bild und malt an diesem Bild. Da sieht
man, dass es ein sehr großes Bild ist. 230 x 150 cm. Schön gesagt, lieber ka****, aber allein des Textes wegen verstehe ich jeden, der sich dann doch lieber einen Porsche anschafft.
5. September 2006
Etwas mehr als sechs Monate mache ich nun diese Seite schon - lang durchgehalten, wenn man bedenkt, das ich mich ursprünglich für den ganzen Kram überhaupt nicht interessiert habe. In dieser Zeit hat sich natürlich meine Sichtweise zur Kunst verändert - auch diese Seite ist "gewachsen". Nicht, dass ich mich an dieser Stelle als geläuterten Connaisseur verkaufen wollte - das würde mir eh niemand abnehmen, der mich kennt - aber ein paar allzu alberne Floskeln habe ich aus dem Vorspann und den Texten gestrichen. Der Grund: Mittlerweile bekomme ich doch verhältnismäßig viele Mails, die sich (man höre und staune) einigermaßen ernsthaft mit den Beiträgen auseinandersetzen.
Richtig rührend wird es, wenn mich Leute um die Schätzung ihrer Erbstücke bitten. Das ehrt mich, aber fragt besser jemanden, der sich tatsächlich damit auskennt. Vielleicht hilft ja schon die Link-Liste weiter, um an die passenden Adressen zu kommen. Wesentlich ergiebiger finde ich den Diskurs mit Galeristen und Künstlern. Vor allem mit Igo Kirchlechner von ShopArt hatte und habe ich einen fruchtbaren Gedanken-Austausch: Spannende Geschichten über die Künstler seiner virtuellen Galerie!
Er hat auch den Kontakt zu Christine Rieck-Sonntag hergestellt, die mich mit ihren expressionistischen, einfühlsamen Bilder-Geschichten begeistert hat und der ich nun den Tipp des Monats widme.
1. September 2006
Ausnahmsweise mal eine originelle Idee des Zigarettenfabrikanten: Unter dem Motto "Do it yourself" veranstaltet Lucky Strike einen Wettbewerb für Nachwuchs-Galeristen. Aus den Bewerbern werden sechs Personen ausgewählt, die in einem Hamburger Loft Kunstobjekte und Gemälde nach Wahl ausstellen können. Das Projekt "Lucky Loft Galerie" wird am 31. August 2006 im Rahmen einer Vernissage eröffnet. Bis zum 24. September sind die Ausstellungen in sechs Galerien jeweils von Donnerstag bis Sonntag zu sehen.
|
||