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Archiv - Mai 2006

Hier lesen Sie alle Einträge vom Mai...
 

29. Mai 2006
Kunst und Fußball - Dosenbier mit Rotwein

Seien wir ehrlich: es nervt tödlich. Kein Bäcker, der sein Brot nicht in Lederballnoppen-Optik backt, kein Friseur-Schaufenster ohne Fan-Schal. Jede Supermarkt-Kette bringt eine eigene, exklusive Trikot-Edition heraus, die nur 9,95 Euro kostet und auch so aussieht.  Renommierte Künstler gestehen: "Ja, ich bin ein Fan" (etwa Lüpertz und Bisky im Art -Investor) und renommierte (Ex-)Fußballer wie Kalle Rummenigge gestehen: "Ja, ich habe ein Bild zu Hause" (ebenfalls im aktuellen Art Investor). Und natürlich ziehen auch die Museen und großen Kunsthäuser nach. Im Berliner Deutschen Historischen Museum läuft derzeit die Ausstellung "Das Spiel" mit Fotografien zu allen Weltmeisterschaften. Nürnberg präsentiert in der Innenstadt Installationen unter dem Motto "Das große Rasenstück" (eine Veranstaltung, die eine Bayern-5-Sprecherin als "bunten Strauß voller Belanglosigkeiten" bewertet hat), und München kontert mit der Ausstellung "Innovationen im Fußball" (Deutsches Museum) und, und, und... Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.

Ich bin nun wirklich der Letzte, der was gegen Fußball sagt. Mir schießen noch immer die Tränen in die Augen, wenn Gladbach verliert (also ständig). Aber Kunst ist Rotwein und Fußball ist Dosenbier. Wenn Intellektuelle und Künstler in ganz Deutschland gemeinsam das Hohelied der WM-Begeisterung summen, um der Spezies "Gemeiner Fußball-Fan" ganz nah zu sein, könnte ich kotzen. Diejenigen, die in 14 Tagen in den VIP-Logen Platz nehmen, werden danach nie wieder ein Stadion von innen sehen. Interessiert die ja auch gar nicht.

Und dann gibt es natürlich noch den Kunst-Fussi-Reibach, beispielsweise über teuere WM-Lithos, die unter anderem die Zeitschrift Art verkauft (hat). Offiziell mit FIFA-Logo, versteht sich. Selbst bei ebay erhalten Sie nun in der Kategorie "Kunst und Antiquitäten" rund 350 Treffer, wenn Sie als Suchbegriff "Fußball" eingeben. Darunter auch Fan-Krüge, alte Kicker-Hefte, Spielzeug und Autogrammkarten. Der Rubel rollt schneller als der Ball. (OK, OK, fiese Metapher).

Acryl-Bild: Motiv Fußball-Fan?
  Acryl-Bild bei ebay: Fußball-Fan für 3000 Euro

 

 

Originell ist demgegenüber ein Berliner Anbieter, der für 2990 Euro (Startgebot) unter der Headline "Fußball WM 2006" ein knapp 4 auf 6 Meter großes Acryl-Bild eingestellt hat, das farbenfroh einen ziemlich bekifften Brillenträger zeigt - angeblich einen Fan. Kann ich nicht nachvollziehen. Trotzdem eine lustige Vorstellung, den Teppich auf zwei Fahnenstangen zu spannen und dann zum Stadion zu tingeln. Bin mir aber fast sicher, dass spätestens die deutsche Polizei das nötige Kunstverständnis vermissen lassen würde. Die junge Liaison aus Fußball und Kunst braucht wohl noch vier Jahre.

 

24. Mai 2006
Andy Warhol bei Tchibo

Neu ist die Idee vom Kunstkauf im Einkaufswagen nicht. Auch Aldi hatte im Dezember 2003 schon mal sammelwürdige Grafiken von Felix Droese auf seinen Aktionstischen im Mittelgang.

Andy Warhol Druck derzeit bei Tchibo
  250 Euro kostet der Tchibo-Warhol "Cars"


Noch verlockender ist das, was Kaffeeröster Tchibo derzeit anbietet: Eine Edition von 1000 garantiert limitierten Warhol-Lithographien mit Trockenstempel, handnummeriert. Die Drucke sind bereits in einen Massivholzrahmen eingefasst, der eine Größe von rund 90 x 70 cm hat.

Ich will hier wirklich keine Werbung machen (zumindest nicht für Tchibo), aber hier darf keiner motzen, der jemals bei ebay nach "Warhol" gesucht hat. Selbst ohne Rahmen wäre der Preis von 250 Euro OK.




Für alle Spekulanten: Tchibo verkauft nur über das Web und nur jeweils einen Druck pro Person. Bin gespannt, wann die ersten "Cars"-Lithos bei ebay auftauchen. Allerdings sollten alle Raffzähne etwas Geduld mitbringen. Der "Kaffee-Geruch" (ist ne Metapher, Dummbatz!) haftet dem Druck mindestens ein Jahr an. Und ob dann die Nachfrage ins Unermessliche steigt oder der Druck als "Warhol zweiter Klasse" abgetan wird, bleibt dahingestellt. Kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie vor wenigen Monaten Buchläden und Galerien reißerisch um die Immendorff-Bibel geworben haben. Von kleiner Auflage und 'zig tausend Vorbestellungen war die Rede. Nun liegt das gute Teil schon bei den Restposten...


22. Mai 2006
Jungs wie du und ich...

Wenn Sie Samstagnacht den Grand Prix d' Eurovision gesehen haben, sind Sie sicher im "Lordi"-Fieber. Bin ich ja auch. Die freundlichen Satanisten aus Finnland haben zurecht mit der einfühlsamen Alice Cooper-Kopie "Hard Rock Hallelujah" alle anderen auf die Plätze verwiesen.
 

Voll im Trend: Die finnische Band Lordi   Reden nicht gerne über ihre Hautprobleme: Die finnischen
       Grand Prix-Sieger "Lordi".

 

Dummerweise geht jetzt die Diskussion los: Sind das alles fiese Mörder, die kleinen Kindern in die Köpfe beißen und bei Vollmond die Oma ausbuddeln? Warum liebt Frontman Tomi "Foltersex"? (Bild-Zeitung). Muss ich meinen Finnland-Urlaub stornieren?


Alles Blödsinn. Faktum ist, die Jungs um Tomi Putaansuu lesen sich zu Hause gegenseitig Gedichte vor, (wenn sie nicht töpfern) und sind allesamt passionierte Maler, die sich von großen Vorbildern wie Leonardo, Modigliani und Monet inspirieren lassen. Erstmals geben sie nun Einblicke in ihr Atelier:

Mona Lisa bei Lordi im Studio...   Modigliani in der Lordi-Bibliothek   Monet hängt im Ruheraum von Lordi


20. Mai 2006
Kaufhaus-Flair und  Wucher-Preise

Geronnenes Hasenblut an der Stoßstange ist ärgerlich und ekelig. Geronnenes Hasenblut in einer Plastiktüte ist Kunst (sagt Beuys) und ziemlich teuer (fordert die Galerie Extralot). 3800 Euro kosten die 4 cm3 Hasenblut in einem Plastiksäckchen, mit einem Heftpflaster auf einen Karton geklebt. Finde ich für ein Kunstwerk, dessen Virtuosität sich auch auf den zweiten Blick nicht vollends offenbart, ein bisserl übertrieben. Ich möchte an dieser Stelle aber keine akademische Abhandlung über den Sinn und Unsinn "Sozialer Plastiken" starten. Dafür ist das Thema zu ermüdend. Es geht mir viel mehr um die Preise.

Alle reden derzeit von der "Kunstblase". Die Nachfrage auf dem Kunstmarkt ist so groß wie seit 20 Jahren nicht mehr, (wozu ich mit meinen ebay-Ankäufen sicherlich auch einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet habe). Die Preise für Unikate der Moderne und der zeitgenössischen Malerei sind förmlich explodiert.
 

Lithographie von Neo Rauch   10 000 Euro wert? Lithographie von Neo Rauch

 

Verdeutlichen lässt sich die Irrfahrt am Beispiel des Leipziger Neo Rauch. Noch vor 10 Jahren waren seine Ölgemälde mit Preisen unterhalb von 10 000 Euro verhältnismäßig günstig zu haben. Mittlerweile zahlen Sie mehr als das Zehnfache dafür, wenn Sie überhaupt an die Bilder kommen. Die meisten sind schon verkauft, wenn der Meister noch den Pinsel in der Hand hält. Das hat wohl auch ein Spaßvogel aus dem Osten der Republik mitbekommen und stellt bei ebay eine Lithographie zum Startpreis von
10 000 Euro ein. Der ist einfach blöd, könnte man meinen, allerdings hat der Euro-Geier noch keine einzige Bewertung auf seinem Konto. Seriös ist irgendwie anders.

 

Ischti im Münchner Kunstkaufhaus
Dass der Kunstmarkt nicht vollends versaut ist, will jetzt das neue Münchner Kunstkaufhaus demonstrieren. Eigentlich war das ja mein Traum: Eine Galerie zu betreiben, die auf den ganzen elitären Scheiß drumherum verzichtet, sich auf eine Handvoll (oder ein paar mehr) interessanter Newcomer konzentriert und deren Sachen dann zu Preisen anbietet, die sich nicht nur Mensing-Kundschaft leisten kann. Zuvorgekommen sind mir der Münchner Stefan Michaelis und seine Partner.

 

Ischti im Münchner Kunstkaufhaus  

 

Am 5. Mai hat der "Art-Aldi" eröffnet. Das Besondere: Alle Werke kosten zwischen 10 und 1000 Euro. Mit über 250 ausgestellten Gemälden, Skulpturen, Fotos, Grafiken und Design-Stücken ist die Kunstschau ziemlich ergiebig. Sind zwar keine Namen darunter, die mir vor Ehrfurcht wackelige Knie bereiten, aber alles Künstler, die bereits mehrere Ausstellungen hatten und auch den ein oder anderen Preis kassiert haben. Im Web lassen sich die Biographien der meisten Künstler nachlesen. Gute Sache!


17. Mai 2006
Fälschungen bitte nur mit Echtheitszertifikat

Vor rund fünfeinhalb Jahren starb der "Führer" unter den Fälschern, Konrad Kujau. Zu seiner Hinterlassenschaft zählen nicht nur die ominösen Hitler-Tagebücher, sondern auch eine Reihe bemerkenswerter Zeichnungen und Gemälde. Bemerkenswert deshalb, weil Kujau für die Sammler bis zu dem Stern-Eklat recht uninteressant war - trotz einer künstlerischen Ausbildung an den Akademien in Dresden und Stuttgart. Das änderte sich nach seiner dreijährigen Haftstrafe. Ausgezeichnet mit dem Prädikat "Deutschlands berühmtester Fälscher" tingelte er durch die Fernsehshows und verkaufte massenweise Kopien berühmter Werke.
 


Polizei beschlagnahmt gefälschte Kujau-Kopien
Polizei  beschlagnahmt  Fälschungen von Fälschungen  

 

Damit hat er gut verdient. Und gut verdienen wollen auch andere mit und unter seinem Namen. So steht jetzt die
48-jährige (vermeintliche) Nichte Petra Kujau im Verdacht, zahlreiche Kopien aus China eingeschifft und mit dem begehrten Signet des Onkels versehen zu haben. Mehr als 500 000 Euro soll die Dame mit den Fälschungen der  Fälschungen bei ebay-Versteigerungen eingesackt haben. Darunter waren Motive von Van Gogh, Gauguin und Klimt, die jeweils bis zu 3500 Euro einbrachten. Auch zahlreiche Gemälde im Kujau-Museum in Pfullendorf müssen jetzt wohl auf "Echtheit" hin geprüft werden.

Den Stein ins Rollen brachte "Kujaus einzige Meisterschülerin", Gabriele Sauler, die bereits im zarten Alter von 18 Jahren das Fälscher-Handwerk lernte und sich über die ungewöhnlichen Signaturen auf den bei ebay eingestellten Kujaus wunderte.

Ironie pur: Sauler kassiert selbst prima mit dem zugkräftigen Namen Kujau - ebenfalls bei ebay. Ihre Rolle als Trittbrettfahrerin spielt sie nicht ganz so lumpig wie die Nichte, aber genauso konsequent. Sie verkauft Fotos, auf denen sie und der alte Herr in der Galerie zu sehen sind, als Autogramme für 10 Euro bei ebay. Wenn Sie bei ebay den Suchbegriff "Kujau" eingeben, führen rund 99% der Treffer geradewegs zum Shop von Frau Sauler...
 

Kujau-Kopie mit Zertifikat: Eichhörnchen von Franz Marc   Nur echt mit Zertifikat: Kujau-Kopie von Franz Marc-Motiv

 

Die gute Nachricht am Schluss: ebay-Anbieter Ralf versteigert derzeit die Kujau'sche Franz Marc-Kopie "Eichhörnchen" mit einem Anfangsgebot von 1199 Euro. Die Auktion läuft noch läuft bis zum 18.5.2006.

Ralf ist so freundlich, die Echtheit seine Fälschung mit einem Zertifikat zu belegen. Und dass Ralf in seiner Beschreibung von "Franz Marg" spricht, stört nicht. Bei einer solchen Überdosis an Fälschungen passt dieser fiese Tippfehler perfekt ins Bild.


12. Mai 2006
Laute Hass-Tiraden und stille Meister

Verkaufen Sie doch die frühen Wasserfarben-Schmierereien Ihrer missratenen Kinder bei ebay! Sie könnten einen Haufen Geld dafür bekommen. Allerdings nicht über die alten Tricks mit der unleserlichen Signatur, dem Dachbodenfund oder einer abstrusen Nachlass-Story. Beschimpfen Sie statt dessen die Interessenten, lassen Sie Ihrer Verachtung für den Kunst-Mob freien Lauf!

Dass diese Masche tatsächlich funktioniert, hat Mitte April ein ebay-Verkäufer bewiesen. Der hat einen Holzscheit (!) als "Gedankenblitz" eingestellt und das Ding bei 44 Geboten (!) für 66 Euro (!!) verkauft.

Ein Auszug aus der Artikelbeschreibung:

"Für folgende Personen unverzichtbar:

Nervenärsche, die trotz hinterlegter Tel. Nummer ständig Mails schreiben und sich wundern, warum nicht sofort eine Antwort kommt! Als ob ich den ganzen Tag vor'm Komposter sitzen würde und nur darauf warte das was passiert. Zumal ich hier im Kackdorf wohne, wo DSL für'n verbotenen Futtermittelzusatz für Hängebauchschweine oder 'ne ekelige Geschlechtskrankheit gehalten wird, Übertragungsgeschwindigkeiten in Km/h beziehungsweise an notgeilen geschlechtsreifen Galapagosschildkröten gemessen werden und der Datenhighway hier ein Feldweg ist auf dem ich mit 'nem Ferrari stehe.

Hirnis, die, wenn sie nachfragen, Fragen stellen die sich bei genauen Durchlesen der Artikelbeschreibung erübrigt hätten. Natürlich wieder per Mail,weil, ist ja billiger hab' doch 'ne Flatrate. Kotzt mich das an !

Witzeclown's ,die den Artikel unbedingt sofort kaufen wollen, obwohl dieses Merkmal nicht besteht.(Isch zahl bar, sagst du anderen, ding is kaputtgebrochen.kein probleme für disch!verstehste ey)

Untote, die bei ersteigerten 1 Euro Artikeln (decken Gerademal die Einstellungskosten) mir noch irgendeinen Anatolischen Versandservice -jetzt zwei Esel schneller-vorschlagen, der 40 Cent billiger ist als der von mir angegebene. Sag ich nur:Geiz ist Geil! Vollkottrottel sein ist geiler!"

 

Valentin Rusin - Akt   Tipp des Monats im Mai - Valentin Rusin

 

Mittlerweile hat die Seite fast 384.000 Besucher gezählt und erreicht Kult-Status. Das würde ich der Homepage von Valentin Rusin auch wünschen. Der Surrealist aus der Ukraine schlägt allerdings leisere Töne an. Seine Denkanstöße vermittelt er nicht mit der Keule, sondern subtil, beispielsweise mit seinen zarten Akt-Motiven. Das war für mich der Fund des Monats und wird daher zum Tipp im Mai.


9. Mai 2006
Uschi Glas und die Avantgarde der Kunst

Was haben Altmeister Ernst Fuchs und Uschi Glas miteinander gemeinsam? Nichts, völlig korrekt. Dennoch ist es der Münchner Galerie Mensing am vergangenen Samstag gelungen, zusammenzubringen, was nicht zusammengehört. Im Rahmen einer Vernissage zu aktuellen Fuchs-Motiven ließ sich die "Grande Dame" des Vorabendprogramms vom Wiener portraitieren. War nicht der Renner. Herausgekommen ist eine Fuchs'sche Sphinx-Figur mit einem frischen Vicky Leandros-Augenaufschlag. Glas war dann auch nur mäßig begeistert. Gleiches gilt für den Professor. Der knurrte aber schon 'ne Stunde zuvor beim Signieren einer Handvoll Ausstellungskarten "Jetzt bin i aber erschöpft", lief während der Laudatio genervt durch die Ausstellungsräume und bestellte sich just danach ein Bier. Recht so.

 

Nie ohne meine Mütze: Ernst Fuchs (vorne) und ich (hinten)   Haben die Mensing-Bar geleert und dank der geilen Mützen alle Prosecco-Schlampen klargemacht: il Professore (links) und ich (rechts).

 

Das Portrait wird demnächst zugunsten der deutschen Hospizhilfe versteigert. Das dürfte zwar teuer werden, nicht aber so teuer, wie die anderen Fuchs-Gemälde bei Mensing. Rund 100 000 Euro kostet ein gerahmter Fuchs in Öl. Noch knapp 1000 Euro soll der Kunstfreund für Radierungen bezahlen.

Die Preise passen perfekt in das Galerie-Konzept. Denn hier ist alles überdimensioniert. Angefangen vom Türsteher mit seinen 2,10 Meter bis zu den Namen der angebotenen Künstler: Romero Britto, Nissan Engel, Otmar Alt und in den hinteren Räumen Grafiken von Chagall, Picasso, Miro und Dali (hoffentlich hat die mal nicht Herr M signiert...).
Noch wichtiger als die Namen der Künstler sind den Verantwortlichen aber die Namen der Käufer! Der eigens herausgegebene "Artletter" wird da ziemlich deutlich:

"Kunst kennt kein Grenzen. Das gilt nicht nur für die Künstler, sondern auch für das Publikum in unseren Galerien. Ob Prominente aus Film und Fernsehen, der Politik oder anderen Bereichen des öffentlichen Lebens - bei Mensing trifft sich die Avantgarde der Kunstszene. Hier begegnen Sie Barbara Becker ebenso wie Hannes Jaenicke oder Verona Pooth..."

Nun ja, bei mir war es "nur" Uschi Glas, aber die muss man jetzt wohl auch zur "Avantgarde der Kunstszene" zählen, oder? Wer auf diesen avantgardistischen Stallgeruch schweren Herzens verzichten kann, sollte seine Fuchs-Radierungen doch eher bei ebay kaufen. Dort wird man ab 100 Euro fündig. Und dass der Glas-Fuchs da in den nächsten Wochen auftaucht, würde ich auch nicht ausschließen.
 

4. Mai 2006
Lassen Sie Ihre Bilder schätzen!

In letzter Zeit werde ich nicht nur gehäuft von Freunden, sondern auch von wildfremden Menschen auf der Straße, im Café und sogar in öffentlichen Toiletten gefragt, was deren Bilder zu Hause wohl wert seien. Und dann inspiziere ich mit meinem Kunstverstand und meiner Erfahrung...

OK, das war gelogen. Richtig ist: In letzter Zeit frage ich mich selbst, was wohl der ganze Kunst-Plunder wert ist, den ich in den Wochen und Monaten zuvor bei ebay erstanden habe. Falls Sie tatsächlich vor einem ähnlichen Problem stehen, weil Sie auf dem Dachboden einen bemalten Karton gefunden oder vom Opa ein Ölbild ohne Signatur geerbt haben, sollten Sie sich nicht an mich wenden, sondern an einen Fachmann. Normalerweise kostet eine Expertise vermutlich mehr Geld, als Sie beim Verkauf des Bildes einsacken könnten. Derzeit ist das aber kostenlos.

Picassos "Dora Maar mit Katze"
  Lassen Sie auch Ihre Picassos schätzen (hier: "Dora Maar mit Katze", das nun zweitteuerste Bild der Welt...)


Das österreichische Auktionshaus im Kinsky gibt Ihnen die Möglichkeit, per E-Mail office@imkinsky.com Scans Ihrer Exponate einzusenden und verspricht eine umgehende Schätzung. Praktisch: Hier besteht nicht die Gefahr, dass man Sie wie auf dem Flohmarkt ganz dreist über's Ohr haut. Das Auktionshaus hat ja nichts davon, die Sachen mies zu reden...

Apropos Auktionen: Die von WinUnited exklusiv vorgestellten "Kunst-Wetten" sind ausgelaufen. Der Van Gogh brachte bei Sotheby's "nur" 40,3 Millionen US Dollar. Deutlich mehr erzielte Picassos "Dora Maar mit Katze". Das Bild kam für über 95 Millionen US-Dollar unter den Hammer und ist damit das zweitteuerste Gemälde der Welt im Handel. Das teuerste stammt übrigens auch von Picasso: "Junge mit Pfeife"...
 

2. Mai 2006
Dalí made in Germany!

Die letzten Seiten im Werksverzeichnis (Dalí - das druckgraphische Werk II) von Löpsinger und M*** haben mich im Januar vor dem größten Fehlkauf meines Lebens bewahrt (wenn man meinen ersten Ford Fiesta mal kurz vergisst).

 

Dali: Vier Signaturbeispiele   Kann man lernen: Signieren,  wie es der Meister getan hat...


Dort schildert M*** mit viel Liebe zum Detail, wie sich die vielen tausend Fälschungen von den etwas weniger vielen tausend Original-Grafiken unterscheiden. Ich habe deswegen die angebotenen Stiche von Dalí nicht gekauft.

Ich sollte M*** besuchen und ihm dafür persönlich danken, bräuchte aber einen Besucherausweis und müsste mich harten Sicherheitskontrollen unterziehen. Darauf habe ich keine Lust. M*** sitzt nämlich ein. Weil er nicht nur Bücher geschrieben hat, sondern auch Signaturen - auf farbfrische Dalí-Kopien aus der Slowakei.

Als virtuelles Dankeschön widme ich ihm den Flop des Monats im Mai.

 

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