|
|
![]() |
Stichworte |
|
|
> November > Oktober > August > Juli > Juni > Mai > April > März > Februar > Januar
|
Archiv - März 2006
Hier lesen Sie Einträge vom März...
30. März 2006
Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste: Auf
meinem langen Evolutionsweg vom Fußball-Junkie zum "Connaisseur" (*hüstel*)
habe ich die Stufe noch nicht erreicht, auf der man per Naturgesetz staunend
vor kryptischen Installationen oder so genannter
Environment-Kunst verharrt. Wie viel "Art-Experience" ist nötig, um eine
leere schwarze Anzeigentafel als "metaphysischen Zeitmesser" (Kris Martins)
wahrzunehmen? Und wenn der Künstler Bouchet für seinen "Dirty Room"
tonnenweise Schmutz und Kompost aus einem Gefängnis herankarren lässt, mag
das zwar eine Metapher sein, aber vor allem bleibt es Dreck (wenn auch
intellektuell angereichert).
Zurück zur Biennnale: Die Kuratoren
(renommierte Kunstkenner oder eben selber bedeutende Künstler wie
Maurizio Cattelan) haben sicherlich einen Kreis erlesener Künstler aus
aller Welt für das Berlin-Projekt einsammeln können und auch den Ort der
Veranstaltung, die Auguststraße, laut allgemeinem Presse-Echo gut gewählt.
Ausstellungen gibt es unter anderem in einer Kirche, einem alten
Fabrikgelände, einer Privatwohnung und einer ehemaligen jüdischen
Mädchenschule (bis in die 60er, dann DDR-Oberschule). Ausgefallene Plätze
voller morbidem Charme, die auch die zentralen Ideen der Exponate verstärken
sollen: Angst, Zwang, Traumata, Heimatlosigkeit. Eine solch gebündelte
Hoffnungslosigkeit nahm die Welt am Sonntag zum Anlass für einen umfassenden
Verriss. Exemplarisch angeführt wird dabei die "Spuk-Installation" (Bang-Bang-Room)
von
Paul McCarthy in der ehemaligen jüdischen Mädchenschule. In die Aula
haben die Aussteller einen nachgebauten Güterwaggon platzieren lassen. Da
sei dann schon die Frage erlaubt, ob es eine dezentere Anspielung nicht auch
getan hätte?
Witzig ist demgegenüber die Idee für die Ausstellung von Nobert Schwontkowski. Der Bremer Maler hat sich in besagter Straße ein Appartement gemietet. Um seine Ölbilder anzuschauen, müssen Sie schon bei ihm klingeln. Schwontkowskis Gemälde gehören sicher zu den Highlights der Berliner Kunst-Wochen, weil er mit seinen ironischen Motiven die vom Kuratorenteam inszenierte Schwermut aufbricht. Und weil er leichter verdaulich ist (nicht negativ gemeint). Wohl auch aus diesem Grund hat ihm das Gruner und Jahr-Blatt Art ein Portrait im Rahmen der Vorberichterstattung gewidmet. Zugegeben, das Appartement samt Hauptdarsteller würde ich mir gerne ansehen. Aber dafür 600 Kilometer Fahrtweg? Das wäre genauso weit wie nach Florenz zu den Uffizien. Da war ich noch nie, vermute dort aber insgesamt einen größeren Unterhaltungswert. Klar, die Uffizien stehen im Sommer noch, die Biennale nicht. Aber die Bilder von Schwontkowski kann man auch danach noch täglich in Berlin anschauen - in der Galerie Contemporary Fine Arts.
Der Vollständigkeit halber (und wegen des
Mottos dieser Webseite): Schwontkowski wurde nicht erst für die Biennale
entdeckt. Seine Bilder sind "sackteuer" und keine ebay-Ware. Ein paar
Radierungen zu Preisen von knapp 400 Euro finden Sie bei
Extralot.
27. März 2006
Namensgleichheit führt zu Verwechslungen. Das
gilt erst Recht in der Kunst. Man disqualifiziert sich nicht unweigerlich
zum "Kunstbanausen", wenn man beispielsweise die Brueg(h)els nicht
auseinander halten kann, (zumal die Söhne den bedeutenden Papa gerne kopiert
haben). Der flämische Manierismus - bzw. Barockmeister
Pieter Bruegel der Ältere (1525/1530-1569) und dessen Söhne
Pieter Brueghel der Jüngere (1564/65-1637/38) und
Jan Brueghel der Ältere (1568-1625) sowie Enkel
Jan Brueghel der Jüngere (1601 - 1678, Sohn von Jan dem Älteren) stiften
in jeder gut sortierten Sammlung alter Meisterwerke Verwirrung.
Verwechslungsgefahr ist auch bei
Manet (Edouard , 1832 - 1883) und
Monet (Claude, 1840 - 1926) nicht ausgeschlossen, die tatsächlich mehr
gemeinsam haben als ein paar Konsonanten im Namen. Garantiert gar nichts miteinander zu tun haben allerdings der amerikanische Ur-Vater der Pop-Art Andy Warhol und der "Newcomer" Randy Wharhal. Von dessen Pinsel stammt das bei ebay angebotene Bild "Red-Yellow" mit einem Galerie-Verkaufspreis von 4900 Euro. Sagt der Verkäufer. Was bislang über Randy nicht bekannt war, reicht der Anbieter nach: Randy Wharhal spiegelt mit seinen Bildern die auf seinen Reisen weltweit gesammelten Eindrücke wieder. Mutig spielt er mit der gesamten Modernen Kunst, so dass seine Bilder allen Räumen Wärme, Lebensfreude und Energie einhauchen. Seine Bilder, welche erstmals überhaupt in Europa käuflich erworben werden können, ziehen auch hier immer mehr Fans und Kunstsammler in ihren Bann. Sie sind ein Blickfang und exklusive Bereicherung für alle Geschäftsräume oder für das gehobene Privatambiente!
Nun ja, die A(u)ktion ist mittlerweile beendet
und war nicht der große Bringer. Bei einem Startpreis von knapp 90 Euro
konnte sich keiner der Interessenten zum Kauf hinreißen lassen. Liegt
womöglich aber nicht am Kunstwerk selber, sondern am Namen des Meisters.
Vorschlag: Einfach die bunten Servietten von der Leinwand nehmen und dann
unter dem Künstlernamen "Kahn Dinski" oder "Salvator D. Ali" noch einmal
anbieten. Irgendwann muss es einfach klappen! Ich drücke fest die Daumen.
21. März 2006
Am Wochenende war in der Tageszeitung "Die
Welt" ein Artikel über ein recht neues Kunst-Auktionshaus, an dem sich der
Springer-Verlag beteiligt. Interessant daran: Der Macher von
Banghaus.com, Michael Bang, will das
elitäre Sotheby's-Flair virtuell vermitteln und sich von dem "riesigen
Sammelsurium, das auch Arbeiten von Hobby-Künstlern, Kunstgewerbe,
Repliken bis hin zu Fälschungen enthalten kann" bei ebay distanzieren.
Bang gibt dafür ansässigen Auktionshäusern die Möglichkeit, Kataloge zu
präsentieren oder direkt Bilder einzustellen. Wichtigstes Kriterium sei
dabei die Qualität, die angeblich von Kunstkennern garantiert würde.
20. März 2006
Derzeit ist in der Tate Modern in
London eine
Retrospektive zu Martin Kippenberger (1953 - 1997) zu sehen: Gemälde,
Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Eine späte Auszeichnung für
den "Art-Anarcho", der sich mit seiner ironischen, teils subversiven
Kunstdeutung nicht nur gegenüber der etablierten Szene der 80er Jahre in
Deutschland positioniert (Richter, Polke), sondern die Tabuzonen des
Kunstraumes neu absteckt.
Zu deutsch: Er produziert teilweise offensichtlichen Unsinn in Wort und Bild, den ihm die Interessenten aber gierig aus den Händen reißen. Recht so: Kippenberger ist witzig, originell und vor allem gut. Unikate sind längst unbezahlbar. Schon für einfache Poster zahlt man bei ebay 50 Euro und mehr.
Deutlich günstiger, aber ebenso interessant
sind meines Erachtens die Werke von
Hans Peter Adamski (* 1947), Kunstprofessor in Dresden und ebenfalls
einer der wichtigsten Vertreter der damals so bezeichneten "Neuen
Wilden". Auch Adamski provoziert, pointiert Alltägliches und
zelebriert Klischees. Und das irgendwo zwischen Konzeptkunst, abstraktem
Expressionismus und Dada. Muss man nicht mögen, sollte man aber mal
gesehen haben. Aquarelle und Lithos (kleine Auflagen) gibt es derzeit bei
Artax zu absolut
erschwinglichen Preisen.
14. März 2006
◄
Für positive Dinge verantwortlich? Heiliger mit Laugenbrötchen
13. März 2006
Wenn Online-Galerien einen ganzen Stapel an
Bildern zu Sonderangebot-Preisen verschleudern, mag das seinen Grund
haben. Bei Privatpersonen habe ich meine Zweifel. Und nicht nur, weil die
Anbieter Gewährleistung und Umtausch in der Regel ausschließen. Viel
fadenscheiniger wirken die Begründungen für den Verkauf. Sehr gerne
genommen wird der ominöse Dachbodenfund, bei dem gleich mehrere "extrem
wertvolle" Ölbilder auftauchen (deren Signatur meist unleserlich
erscheint, aber dennoch auf das seltene Werk eines italienischen Barockmeisters
oder deutschen Expressionisten hindeutet...).
An Position zwei folgt der "Notverkauf": Ein Bild, das der Großpapa für 38.000 Reichsmark vom Künstler selbst erworben hat und von dem man sich nun aufgrund der SPD-verursachten Wirtschaftskrise schweren Herzens trennen müsse...
So lange es sich um Einzelstücke handelt,
OK. Wenn aber jemand haufenweise Radierungen und Lithos unter dem Label
"Original" anbietet, die zwar signiert, aber nicht nummeriert sind oder
mit "E.A." (epreuve d´artiste) bezeichnet wurden, schrillen die
Alarmglocken. Zu allem Überfluss sind die Bilder meist auch noch gerahmt.
Mag der Rahmen noch so gut zum Motiv passen. Mögliche Hinweise auf die
Originalität oder eine Fälschung (Papier, Wasserzeichen,
Passepartout-Ränder) bleiben hinter dem Glas verborgen. Klar, man könnte
die Blätter aus der Verglasung nehmen und einem Galeristen vorlegen. Wer
aber macht das denn bei einem Bild, das inklusive Rahmen gerade mal 100
oder 150 Euro gekostet hat?
9. März 2006
"Aber, wenn es doch schön ist!" Das
höre ich oft, wenn ich gestehe, wie viel ich für ein Bild ausgegeben habe. Die Mischung aus Güte und Mitleid vergeht
aber sofort, wenn ich erzähle, dass es eben kein schönes Bild ist. Keines,
das farblich zur Couch passt oder sich perfekt zwischen CD-Regal und
Fernseher einfügt.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen "schöne" Bilder. Aber "Schönheit " darf kein Kriterium sein, wenn Sie ein paar hundert Euro für ein Gemälde oder eine Radierung ausgeben. Und "Schönheit" ist absolut kein Argument, um in der Kunst die Spreu vom Weizen zu trennen. Natürlich gibt es Hunderttausende von Meisterwerken, die nicht nur handwerklich großartig gefertigt sind, sondern auch im allgemeinen Verständnis als "schön" gelten. Aber es gibt mindestens genau so viele, für die letzteres nicht gilt.
Die Seerosen von
Monet sind
sicherlich attraktiv. Bilder von
Baselitz sind es in
der Regel nicht. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass sich jeder mit
Baselitz befasst, der in einem Museum versehentlich vor einem seiner
Bilder ausruht. Baselitz polarisiert und provoziert. Vielleicht widern
seine Bilder sogar an. Aber niemand geht unbeeindruckt weiter. Und wenn
diese Auseinandersetzung länger als ein paar Augenblicke andauert, handelt
es sich wohl (subjektiv gesehen) um ein bedeutendes Bild. Und das kann
selbstverständlich auch von einem (noch) unbekannten Maler stammen.
Interessante, anregende und widersprüchliche
Bilder finden Sie für wenig Geld zuhauf bei den
Online-Galerien und auch bei
ebay (wenn Sie suchen und Geduld mitbringen). Garantiert schöne Bilder
gibt es dagegen nur bei Ikea.
6. März 2006
Man kann und sollte viel über Kunst
diskutieren. Man kann auch darüber streiten - nicht nur über das Werk von
Joseph Beuys übrigens. Zu absolut dämlichen Auseinandersetzungen kommt
es aber bei der Frage, welche Kunsttechnik noch als "Original" anzusehen ist. Hier prallen
unversöhnliche Kunst-Anschauungen aufeinander. Auf der einen Seite das
Lager derer, die "Original" mit Unikat übersetzen. Demnach würden nicht
nur fotomechanische Reproduktionen von Gemälden aus der Gattung der
"Originale" fallen, sondern auch druckgraphische Werke wie beispielsweise
Radierungen, Holz- und Kupferstiche und so fort. Die andere
Front wird von Sammlern und Jägern angeführt, die alles zum "Original"
erklären, sobald sich eine handschriftliche Signatur auf dem Bild
befindet. Und diese Gruppe ist zumindest bei ebay zahlenmäßig stark
vertreten. Nur so lässt sich erklären, dass recht billig produzierte
Posterdrucke Phantasiepreise von 50 Euro und mehr erzielen, wenn nur der
Künstler seine Unterschrift darauf gesetzt hat...
Ich kann beiden Positionen nicht folgen. Würde man allen Kunsttechniken, die auf Vervielfältigung ausgelegt sind, den Original-Status absprechen, müssten die Museen einen Großteil der Picassos, Chagalls, Dalis und Dürers von den Wänden nehmen. Und was ist mit Künstlern, deren Hauptwerk aus Radierungen besteht, wie der von mir sehr geschätzte Jiri Anderle? Alles in die Tonne treten? Wäre doch schade drum. Der konservative Brockhaus spricht ein salomonisches Urteil: (...)Wenn hier das technische Hilfsmittel, also die Gussform oder Druckplatte vom Künstler selbst stammt und die Fertigung der Güsse bzw. Abzüge von ihm selbst oder unter seiner Aufsicht, jedenfalls mit seiner Autorisierung vorgenommen werden, sind sämtliche Werkexemplare als Originale zu betrachten. (...)
Das gilt in weiten Teilen auch für
Lithographien und Seriegraphien, die streng genommen eine Kopie vom
Original darstellen. Letztlich entscheidet der Künstler. Mit seiner
Signatur autorisiert er den Abzug, mit der Nummerierung limitiert er ihn.
Und damit eröffnen die Herren Chagall, Picasso, Dali oder Ernst
Interessierten überhaupt erst die Möglichkeit, an ein "Original" zu
kommen. Die Kunst kleiner Leute? Meinetwegen. Von diesen "kleinen Leuten"
lebt aber der Kunstmarkt - und nicht nur bei ebay.
3. März 2006 Zu den fleißigsten ebay-Anbietern zeitgenössischer Kunst gehört die Galeria Arte. Im Angebot ausschließlich "Qualitäts-Ölgemälde" (O-Ton). Darunter gab es auch einen kleinen orange-farbenen Hund. Mit einem grünen Apfel auf den Kopf ("Handgemaltes Original, Registriert"). Passt prima ins Kinderzimmer, dachte ich mir. Und das Werk stammt von keinem Geringeren als vom chinesischen Meister Ming. Die Galerie liefert auch die Kurzbiographie mit:
"Ming wurde 1969 in China geboren. Er
graduierte an der elitären Central Academy of Arts im Jahre 1982. Seit
Mitte der 90er Jahre finden seine außergewöhnlichen Werke verstärktes
Interesse auch bei internationalen Kunstliebhabern. Insbesondere in Japan
und Singapur erfahren seine Ausstellungen große Annerkennung bei Sammlern.
Ming ist Mitglied der Chinese Artist Association in der Provinz Fujian. In
Deutschland noch ein absoluter Geheimtipp, sind wir sehr stolz, Ming hier
vertreten zu dürfen".
OK, ich gebe zu, dass ich bis dato nichts
von der elitären,
chinesischen Central Academy of Arts gehört und meine Web-Recherchen
entnervt abgebrochen habe. Ich gebe auch zu, dass ich das Bild ersteigert
habe. (zum Gegenwert von 2 Weißbier und 2 Päckchen Marlboro). Der Hund kam
dann auch (zum angemessenen Porto von 48 Euro)! Welch eine Freude. Und
welch eine Überraschung, als der gleiche Hund wenige Tage später wieder
über ebay zu haben war! Ming, "der große China-Meister" kopiert sich
selbst? Das wäre ja noch OK. Hat Van Gogh ja auch getan und gilt als
"Variation". Die bittere
Wahrheit: Ming (Mistkerl? Opfer?) macht das gleiche wie der renommierte,
amerikanische Maler Daniel Patrick
Kessler. Kessler lebt und
arbeitet in Washington DC und bezeichnet seine Werke als Folk Art.
Häufigste Motive: Tiere. Da stellen sich gleich viele Fragen: Kopiert der
Ming den Kessler oder umgekehrt? Warum verkauft Kessler die Poster
seiner Werke für rund 60 US-Dollar, während ein Ming schon für gut 25 Euro zu
haben ist? Weiß der Ming vom Kessler? Sind Kessler und Ming etwa die
gleiche Person? Dann wäre ein Kessler-Bild so etwas wie Jacobs-Krönung und
ein Ming-Werk der Aldi-Kaffee - gleicher Inhalt, andere Verpackung. Oder
ist Ming ein Sammelbegriff für kleine chinesische Kinderhände, die in
Fließbandarbeit unter dem Pseudonym "Kessler" Ölgemälde
fabrizieren? In jedem Händchen ein kleiner Farbeimer? Wie auch immer: Das Bild hängt nun bei Ischti.
Und ich habe sogar noch ein Katzenmotiv draufgelegt, weil ich so
begeistert war. Vom Ming. Und vom Kessler natürlich auch.
|
||