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Archiv - Juni 2006
Hier lesen Sie alle Einträge vom Juni...
30. Juni 2006
Der Vergleich Kunstmarkt vs. Börse drängt
sich nicht erst seit den Rekordauktionen der letzten Monate auf. Da sind
einfach zu viele Gemeinsamkeiten. Und damit meine ich nicht nur die
Konjunkturschwankungen und die vermeintlichen Regularien, die sich dem
normalen Menschenverstand entziehen. Die wichtigste Parallele: Sowohl an
der Börse als auch im Kunstmarkt lässt sich prima abzocken, wenn man dem
Massenkonsum eine Nasenlänge voraus ist. Bislang war dafür im Kunstsegment
zumindest ein rudimentäres Wissen um Stile und Namen durchaus von Vorteil.
Aber aus das ist nicht mehr nötig, um im Strom der Sammler und Spekulanten
mitzuschwimmen.
Die Hamburger
Art Estate AG will mit einem
geschlossenen Kunst-Fonds noch dieses Jahr an die Börse. Dafür haben
die Broker den Kunstmarkt national und international bereits gut beackert
und Werke von Anselm Kiefer, Gerhard Richter, Andy Warhol, Martin
Kippenberger, Sigmar Polke, Georg Baselitz, Keith Haring und anderen
eingesackt. Sozusagen das Who-is-who der zeitgenössischen Kunst. Dass der aufgeht, wird von Kunstexperten bezweifelt. Denn es gibt ausreichend Gegenbeispiele: Auch die deutsche DG Bank hatte es mal mit einem Kunst-Fonds (Gemälde der Klassischen Moderne) probiert und den Fonds im Jahr 2000 wieder aufgelöst. Ein Flop. Das selbst-erklärte Kunst-Kredit-Institut Dresdner Bank will von solchen Risiko-Fonds ebenfalls nichts wissen.
Nicht nur die wechselnden Vorlieben der
Sammler sprechen meines Erachtens gegen eine langfristige Anlage.
Unbeantwortet bleibt auch die Frage, warum ich in ein Sammelsurium
bekannter Namen investieren sollte, die schon jetzt am oberen Preislimit
gehandelt werden? In jedem Kunstkaufbuch für Einsteiger findet sich der
Tipp, auf unverbrauchte Namen zu setzen und Bilder zu kaufen, die
tatsächlich gefallen. Das hat nebenbei den Vorteil, dass man diese Werke
behalten und aufhängen kann. Und ist das ist in fast allen Fällen
attraktiver als ein gerahmtes Fonds-Zertifikat über dem Sofa.
27. Juni 2006
Schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe:
Kaufen Sie sich einen schicken Voodoo-Fetisch für das Schlafzimmer, und
sorgen Sie nebenbei dafür, dass die Brasilianer heute rausfliegen
(respektive die Argentinier am Freitag). Klappt nicht? Und wem haben wir
das wunderbare Spiel Portugal gegen Holland zu verdanken? Hm? Eben...
Erstliga-Teams aus Ghana betreten ein
bestimmtes Stadion niemals durch das verhexte Tor, sondern klettern lieber
über den Zaun. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 22. Juni 2006). 1988 sollen
bei einem Spiel im Kongo alle 11 Spieler eines Teams vom Blitz erschlagen
worden sein. OK, bei genauerem Hinsehen waren es nur zwei, die sind aber
garantiert und noch immer tot.
Wenn Sie gleich mehrere Mannschaften
komplett ihrer Kräfte berauben oder einen ganzen WM-Tross (samt
Funktionären und Spielerfrauen) bestrafen wollen, empfehle ich diesen
Afro-Shop: Zahllose Figuren in jeder Größe und Preisklasse. Nur die
Nadeln müssen Sie sich woanders besorgen.
23. Juni 2006
135 Millionen US-Dollar hat der Amerikaner
Ronald Stephen Lauder investiert, um sich Klimts berühmte „Goldene Adele
zu sichern“. Damit ist das Portrait der Zuckerfabrikanten-Gattin das
teuerste Gemälde der Welt. Stellt sich dir Frage: Was sind das für
Menschen, die im Vorbeigehen mehr Geld für ein Bild investieren als die
USA in ihre Umweltpolitik? Eine befriedigende Antwort darauf liefert die
längst überfällige:
Der Mäzen unterscheidet nicht zwischen
Aktien und Gemälden. Gekauft wird, was Wertsteigerung verspricht und einen
großen Namen trägt. Seine ersten Beute-Bilder hängt er repräsentativ in
den Turnhallengroßen Empfangsbereich seines Büro-Komplexes. Nachdem er bei
Sotheby’s mehrfach abgeräumt hat (Picasso, Renoir, Richter), eröffnet er
ein Privatmuseum und genießt die Schlagzeilen der Boulevardpresse.
2. Der Sammler und (Schnäppchen-)Jäger
(Jährliches Kunst-Budget: 2000 Euro)
Er scannt den Kunst-Markt bei ebay mit
verbotenen Software-Tools und tippt seine Gebote grundsätzlich erst eine
Sekunde vor Ablauf ein. Alle Auktionsergebnisse seit 1991 sind in seiner
Datenbank gespeichert. Immerhin kennt der Sammler die Preisentwicklungen sehr genau und hat einen ausgeprägten Spürsinn für junge Kunst. Er besitzt Werke von Jonathan Meese und liebt „Free Jazz“.
Niemals lädt der Sammler Gäste ein. Aus
Angst, jemand könnte die teuren Skulpturen anfassen oder eine der
Schallplatten (alles Original-Pressungen aus den 60ern) aus den
staubdichten Klarsichthüllen ziehen.
3. Der verhinderte Künstler
(Jährliches Kunst-Budget: 100 Euro)
Da er zwei Semester Kunstgeschichte studiert hat, doziert er gerne über die aktuellen Strömungen und bügelt andere Meinungen grundsätzlich mit Verweisen auf italienische Fachzeitschriften, (die man gelesen haben müsste, um bei dem Thema mitreden zu dürfen). Der verhinderte Künstler leidet unter chronischem Geldmangel und kauft nur alle 5 bis 6 Jahre ein Bild. Meist Aquarelle von ebenfalls befreundeten, verhinderten Künstlern in Südfrankreich. Auf Flohmärkten investiert er hin und wieder 3 Euro in alte Ausgaben der „Art“, findet die aber eigentlich auch „total inkompetent“.
4. Der „Kunst finde ich eigentlich nicht
schlecht“-Käufer
(Jährliches Kunst-Budget: 50 Euro)
Sein Credo lautet „Die Farben müssen schön sein“. Er ist davon überzeugt, dass der Kandinsky-Druck über der ausziehbaren Couch seine ausgefallene Persönlichkeit unterstreicht. Der Gelegenheits-Käufer mag auch Kunst-Puzzles mit mindestens 1000 Teilen, fährt VW Golf Diesel und kann über Dirk Bach lachen. Gewerkschaften findet er unnötig. Die Zahl seiner Bücher ist überschaubar.
Er wollte sich eigentlich bei Karstadt einen teuren Rahmen für den Druck zulegen, war aber zuerst in der Sport-Abteilung und hat sich für zwei Paar Adiletten entschieden (blaue für die Sauna, schwarze für den Camping-Platz).
19. Juni 2006
Kein Geheimnis, dass die ebay-Rubrik
Antiquitäten/Kunst -> Direkt vom Künstler einer Skurrilitäten-Sammlung
gleicht. Hier finden Sie fast alles, nur eben nichts, was sich guten
Gewissens als Kunst einstufen ließe...
"Top-Angebote" aus ebay-Rubrik
Antiquitäten/Kunst - Direkt vom Künstler - Bildende Kunst:
Aus der Menge unzähliger Fußball-Bienen,
WM-Schafen und sonstigem Mist, der während der WM den Kunst-Bereich füllt,
verdient sich ebay-user
weissfedervogel zumindest Anerkennung für Dreistigkeit. Die Dame
versteigert im Sektor "Bildende Kunst" eine Gast-Rolle für ein erotisches
Foto-Shooting. Dauer: Zwischen einer und sechs Stunden. Da ist sie ganz
flexibel. Bei 30 Euro liegt das Anfangsgebot. Einer hat schon angebissen.
Und der kann sich freuen. Die Bewertungen sind durchweg extrem positiv:
14. Juni 2006
Auch derzeit von der überteuerten Fake-Kunst
bei ebay angeödet? Und von der WM, die mit ihren vorsehbaren
Favoritensiegen so spannend ist wie ein Stau auf der A8?
Mein Alternativvorschlag: Kunst-Tour beim
Kunstring. In der
Kategorie Malerei
stellen knapp 400 Künstler virtuell aus. Die Palette reicht von
"ambitioniert" bis "absolut großartig". Angenehm auf jeden Fall, dass der
von ebay gewohnte Design-Mist und die ganzen billigen Reproduktionen
keinen Platz finden.
...ist das sicherlich nicht, was ich am vergangenen Freitag mit Ischtis bescheidener Digitalkamera fabriziert habe. Dennoch sind ein paar nette Schnappschüsse von der Eröffnungsfeier und dem famosen ersten Kick der deutschen Mannschaft dabei. Hat zwar nix mit der Seite hier zu tun, aber wenn man die Bilder schon macht (und bei so einem Event dabei sein darf), will man das verständlicherweise auch nicht für sich behalten. Hier geht es zur Foto-Seite, die ich nur ein paar Tage online stehen lasse (versprochen).
9. Juni 2006
6. Juni 2006
◄ Eier von Katharine Heide (links) und Marcel Hocq (rechts)
"Die Idee hat etwas Geniales: Das ehemals zweidimensionale wird dreidimensional, der Betrachter muss das Kunstwerk umkreisen oder er lässt es kreisen. Auf jeden Fall kommt Bewegung in die Kunst, dadurch wird sie sogar vierdimensional. Ganz nebenbei schleicht sich ein wichtiges Postulat unserer Gesellschaft ein: die Chancengleichheit." Auf diese bedeutungsschwangeren Sätze hätten wir gerne verzichtet. Nicht aber auf die großen Künstler, die den "Egg-Gag" mitgemacht haben: Einige der "Eggsponate" (har, har wie komisch...) wurden von bedeutenden Zeitgenossen wie Janosch oder Otmar Alt bemalt. Sind wirklich großartige Sachen dabei. Unter anderem auch von Leonore Zimmermann und Nicola Quici, dem ich dieses Mal den Tipp des Monats widme. Nicht nur wegen der Eier übrigens...
1. Juni 2006
Für Kopien von Van Gogh, Klimt, Gauguin,
Lichtenstein oder Monet zahlen Sie bei
ebay zwischen 30 und 90
Euro - je nach Bieter-Konkurrenz. Eigentlich nicht viel für ein Acryl-
oder Ölgemälde (!), das nicht nicht nur dem Original täuschend ähnlich
ist, sondern in der Regel bereits auf einen Keilrahmen gespannt wurde.
Eine ganze Reihe von Pseudo-Galerien hat sich bei ebay auf den Deal mit
den Fälschungen spezialisiert. Kein illegales Geschäft, sofern die
kopierten Künstler bereits 50 Jahre tot sind und die Bilder nicht
irreführend mit deren Schriftzug versehen wurden.
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