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Archiv - Januar 2006

Hier lesen Sie den Anfang der ganzen Geschichte...
 

Irgendwann im Januar, irgendwo bei München
Alle entscheidenden Dinge beginnen mit einem Irrtum...

Dali - Motiv aus der Göttlichen KomödieWie kommt jemand dazu, plötzlich seine Fußballposter abzuhängen, und sich Kunstbücher statt Kicker-Hefte zu kaufen? Plötzliche Reife? Kaum. Ich bin bereits 39.
 

Salvador Dali, Motiv aus der "Göttlichen Komödie", 1960
 

Also eher ein Zufall. Und der begegnete mir im Januar in einer Dali-Ausstellung in München-Riem. In der Hoffnung auf häuserwandgroße Ölgemälde voller brennender Giraffen, weicher Bohnen und sonstigem Dali-Kram liefen Ischti und ich angeödet durch die recht leeren Ausstellungshallen. Hunderte von Holzschnitten, Radierungen und sonstigen druckgraphischen Werken - teils farbig, teils schwarzweiß. Unbekannte und vor allem recht uninteressante Sachen.

Spannend wurde das ganze durch einen kleinen Aufkleber unter einem der Exponate: "Preis auf Anfrage". Und eben diese ergab, dass ein echter (!?) Dali schon für 650 Euro samt Museumsrahmen zu haben ist. Ich habe deswegen auch gleich 2 davon genommen (und später wieder zurückgebracht - aber das ist eine andere Geschichte).

Die beiden Bilder waren gelinde gesagt "uninspiriert" (und vielleicht sogar Reproduktionen). Trotzdem habe ich an dem Tag eine wichtige Erfahrung gemacht. Kunst spielt sich nicht nur im Museum oder bei Sotheby's ab. Kunst ist nicht das exklusive Recht einer elitären Akademiker-Clique, die Zillionen von Bildbänden in den Regalen hat. Kunst kann sehr privat sein. Zum Beispiel dann, wenn man sie mit nach Hause nimmt und über das Sofa hängt. Fetischismus? Mag sein, aber dann ist jeder ein Fetischist, der lieber einen Audi fährt, statt sich einen Nissan zu kaufen.

Übrigens: Auch wenn ich heute keinen Dali besitze (worüber ich sehr froh bin), habe ich einiges an diesem Sonntag mitgenommen. Zum Beispiel ein Werksverzeichnis zum Druckgraphischen Werk von Dali (mit der interessanten Auflistung der vielen tausend Fälschungen) und vor allem die Erkenntnis, dass Original-Kunst bezahlbar ist, sofern man nicht den Fehler macht, dem erstbesten Lock-Angebot zu verfallen.
 

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