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Archiv - Dezember 2006
Hier lesen Sie alle Einträge vom Dezember...
29. Dezember 2006
Keine Frage, das Jahr 2006 war ein wichtiges
Kunst-Jahr. Vielleicht das wichtigste Kunst-Jahr in der
Menschheitsgeschichte und darüber hinaus. Ich rede nicht von den
Rekord-Erlösen auf Auktionen, Rekord-Ausstellungen wie die
Neo Rauch-Retrospektive in Wolfsburg oder der
Guggenheim Collection in Bonn, sondern von dem ganzen
Kunst-Dünnschiss, der drumherum passiert, nie die Schlagzeilen füllt, aber
meine atemberaubende Metamorphose begründet hat. Aber auf diesem langen
Weg zum "erbarmungslosen Voyeur der Kunstszene" (Zitat "Der Spiegel"),
habe ich zugegebenermaßen auch die ein oder andere falsche Abzweigung
genommen. Macht aber nix.
Die besten Einträge:
Die schlechtesten Einträge:
Der Künstler des Jahres:
Der Flop des
Jahres:
Die beste
Ausstellung des Jahres:
Die mieseste
Ausstellung des Jahres:
Die Auktion
des Jahres:
28. Dezember 2006
Über Weihnachten habe ich ein paar nette
Kunstbeiträge gefunden. Interessant war vor allem der Jahresrückblick zum
Kunstjahr im
Handelsblatt. Denn die Redakteure begnügen sich nicht damit, die
Auktionserlöse chronologisch aufzuzählen, sondern geben auch ein paar
Prognosen für 2007 ab. So sehen die Experten Arbeiten der deutschen
Zero-Gruppe bislang unterbewertet und erwarten für Bilder von Otto
Piene und Günther Uecker im kommenden Jahr Rekorderlöse.
22. Dezember 2006
Kurz vor Weihnachten werden auch fiese Zyniker milde gestimmt. An dieser Stelle deswegen mal ein (ernstes) Dankeschön an alle, die nicht nur mit ihren kontinuierlichen Dauerklicks den Counter gefüttert haben, sondern auch Input geliefert (Werner), an der Orthographie (Ischta) oder der Gestaltung (PapaLapap) gemosert und damit diese Seite weiterentwickelt haben. Und Dank auch für alle skurrilen Anfragen zum Wert eurer alten kicker-Hefte, Dachbodengemälde und sonstigen Kunstschätzchen. Selbstverständlich weiß ich immer aus dem Stegreif, was der "oide Scheiß" wert ist. Bevor ich jetzt in Tränen ausbreche, möchte ich allen schöne Weihnachten wünschen und auf zwei bevorstehende Highlights hinweisen: Zwischen den Jahren geht hier der ultimative Jahresrückblick live. Durchleben Sie mit mir im Zeitraffer meine erschütternde Entwicklung vom braven Fußball-Futzi ("Olé Mönchengladbach!") zum bornierten Kunst-Klugscheißer. Und im Januar folgt dann die Wahl zum "Künstler des Jahres" mit 100 phantastischen Preisen, die Sie garantiert nicht gewinnen wollen! Bis dahin: Schöne Tage!
20. Dezember 2006
Keinen Bock auf einen dreitägigen
Familienterror an Weihnachten? Dann verbringen Sie doch die Feiertage bei
ebay. Das dürfte so besinnlich werden
wie ein Samstag auf dem Oktoberfest. Professionelle Händler, darunter
natürlich auch die große Zahl an Online-Galeristen, haben ihre Angebote so
platziert, dass diese zwischen dem 22.12. (Freitag vor Weihnachten) und dem
26.12. abends auslaufen. Gute und vor allem teure Sachen dabei. Und eine
Menge "einmaliger Gelegenheiten".
Ein Auge sollten Sie auf jeden Fall auf den
Perser-Teppich aus Papst Benedikts Priesterseminar werfen. Sehr schön
auch die Headline des bayerischen Anbieters: "Ihm ganz nahe sein".
Preis: 15 500 Euro (Sofort kaufen).
Nicht weniger interessant ist eine
Badezimmerfußboden-Kachel, auf der schon Al Capone stand. 8 x 8cm,
taubenblau, mit rotem Fleck (Blut eines Opfers?). Der Originaltext löst
die spannende Geschichte hinter dieser Reliquie leider nicht ganz auf.
"December 1998, a german tourist at Cuban
peninsula Hicacos, Varadero beach stole a bath floor tile of AL Capones
mansion during restauration.
15. Dezember 2006
Oft genug ziehe ich über den ganzen Mist
her, der da bei ebay zu astronomischen Preisen in der Sektion Kunst
angeboten (und selten verkauft) wird. Gestern aber ist mir die Spucke
weggeblieben. Das ist doch tatsächlich ein Bild (Unikat!) in der Liste,
von dem ich seit Jahren einen Druck besitze, (den ich aber aus
ästhetischen Gründen nicht mal im Bad aufgehängt habe - achten Sie mal auf
die Details).
Die Rede ist vom höhnischen Arzt von Gottfried Helnwein. Rund 100 000 Euro will der Leipziger Verkäufer dafür. Klingt viel, ist aber nicht so unverschämt für ein großformatiges Gemälde, das schon in international bedeutenden Ausstellungen wie in der Eremitage in St. Petersburg bestaunt wurde. Keine Frage, ein klasse Bild, und wenn ich die paar Euros locker machen könnte, käme ich ins Grübeln, aber ich habe meinen Jahres-Etat nach dem Kauf der 5-Mio-J.Lo fast ausgeschöpft.
Last but not least läuft in diesen Minuten ein Aquarell von Franz Radziwill aus. Hier hat mein Finger tatsächlich mal kurz in Richtung "Bieten"-Knopf gezuckt (1600 Euro). Radziwill hat meines Erachtens phantastische Sozialstudien geschaffen. Bilder, denen man sich kaum verschließen kann. Bei dem angebotenen Motiv handelt es sich aber um eine eher öde Naturdarstellung. Sehen wohl auch die anderen ebay-Kunstkäufer so. Zwei Stunden vor Schluss steht das Bild bei "0" Geboten.
8. Dezember 2006
Raphael aus der Schweiz hat mich angemailt (das war sehr lieb von dir, Raphael) mit der Frage, ob ich nicht eines seiner Kunstprojekte vorstellen wolle. "Denke, dass die Werke es wert sind, von Dir kommentiert zu werden." (definitiv, Raphael!)
Raphael malt Strichbilder: Weiße Striche auf
schwarzem Hintergrund. Und zwar kumuliert, bei "eins" angefangen.
Heißt: Für jeden weiteren Strich ein weiteres Bild. Insgesamt 180 Gemälde.
Um diese Zahl zu verstehen, müssen Sie sich in Raphaels Welt einlesen.
Leider ist die
Webseite in englischer Sprache, und das alles hat wohl viel mit Sinnfragen und
Weltschmerz zu tun, und irgendwie stehen die 180 Striche für 180 Gründe,
genau diese Bilder zu malen.
6. Dezember 2006
Seien Sie doch ehrlich, diese Frage haben
Sie sich doch auch gestellt, als Sie (vor)gestern die Spätnachrichten
angeschaut oder im Kulturteil der Online-Magazine gesurft haben. Fakt ist,
die 39jährige gebürtige Kielerin hat mit dem britischen
Turner-Preis eine der bedeutendsten internationalen Kunst-Auszeichnungen
eingeheimst. Und zwar für eine Reihe abstrakter Gemälde (teilweise Op-Art), die allesamt im
Format 48 x 38 Zentimeter gemalt sind und farblich an Kellerwände und 70er-Jahre-Tapeten
erinnern.
Der künstlerische Wert ihrer Arbeit ist gleichwohl über alle Zweifel erhaben. Monate, so Tomma Abts, male sie an einzelnen Gemälden, die wie bei einer Schwarzwälderkirsch-Torte aus mehren Schichten bestehen, um den gewünschten Effekt beim Betrachter zu erzielen.
Nach dieser Preisverleihung dürfte die in
London lebende Künstlerin für die nächsten Wochen die Seiten im Feuilleton
füllen.
4. Dezember 2006
Das meint zumindest die Zeitschrift
Art
Investor in seiner 5er Ausgabe (Oktober/November) und beruft sich dabei
auf die starke Nachfrage nach chinesischer Kunst auf bedeutenden
Kunstmessen wie der
Frieze Art und auf einen undurchsichtigen Index, nach dem 24 der 50
umsatzstärksten Künstler Anfang 2006 aus dem Reich der Mitte stammen.
Höchste Zeit, die Probe aufs Exempel zu machen und den ebay-Markt nach
Kunst "made in China" abzuklopfen, was unweigerlich zum
Flop des Monats führen
muss.
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