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Flop des Monats
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Tipp des Monats - September
Was mir gefällt, finden Sie vielleicht grauenhaft. Vielleicht aber auch nicht. September: Christine Rieck-Sonntag - Rosen für Kunst "Unverkäuflich". Das war die erste Äußerung von Christine Rieck-Sonntag zu ihrem großartigen Zyklus "Rosen für Ilse" von 2004. Origineller Einstieg. Immerhin habe ich die Zeichnungen- und Collagen-Serie bei ShopArt entdeckt, einer virtuellen Galerie, die nicht nur dem Namen nach durchaus kommerzielle Interessen wahrnimmt. Dieser Zyklus, so Christine Rieck-Sonntag (oder kurz "CRS"), gehöre in ein jüdisches Museum, auch mit dem New Yorker Guggenheim könne sie prima leben. "Die wollen das haben, wissen es nur noch nicht". Ich bin mir sicher, dass sie auch mit der Pinakothek der Moderne oder dem Museum Ludwig einverstanden wäre, das habe ich ihr aber nicht gesagt.
Aber ganz so vermessen ist der Wunsch der Landshuterin nach dem gebührenden Umfeld für die ausdrucksstarken Motive auch nicht. Die Dame hat bereits in New York ausgestellt - wenn auch "nur" im deutschen Generalkonsulat. Eine weitere Etappe auf dem Weg zum Kunst-Olymp ist vielleicht das Giambattista Bodoni Museum in Berlin. Dort wird derzeit der Zyklus gezeigt (noch bis zum 22.9.2006).
Die Weigerung, einzelne Motive anzubieten, hat
im Übrigen einen einfachen Grund: CRS möchte die Serie nicht zerstückeln. Verständlich, denn "Rosen für Ilse" ist nicht nur
künstlerisch ihr Höhepunkt, sondern auch ein persönlicher Abschied von
einer verstorbenen Freundin. Könnte man für eine narzisstische Finte halten:
Wer sich vehement und in aller Öffentlichkeit dem Kommerz widersetzt, adelt
sein Werk und tritt deutlich aus der Masse der Cash-Künstler.
"Großer Glanz des Mondes",
"Unforgettable", 2003, Öl, Acryl Theaterplakat (Handdruck
auf
Auch vorher hat Rieck-Sonntag vorwiegend zyklisch gearbeitet. In ihren Zeichnungen und Gemälden verarbeitet sie häufig Reiseerfahrungen und immer auch ein Stück Kindheit, wie sie versichert. CRS hält sich in Tansania, Italien, Südfrankreich, Bulgarien und häufig in den USA auf. In der Auseinandersetzung mit den Menschen und deren Vergangenheit entstehen erstaunliche, authentische Werke. Auch weil sie mit Materialen experimentiert und damit für Kongruenz zwischen dem künstlerischen Thema und ihrer Arbeit sorgt. Die Zeichnungen "Rose für Ilse" entstanden auf den Seiten eines New Yorker Telefonbuches, das sie auf den Straßen von Manhattan fand. Für den afrikanischen Zyklus Sugarcane nutzte sie Sackleinen statt Leinwand. "Sweat and sweet" malte sie mit groben Stiften, wie sie für die Kennzeichnung von Rindern benutzt werden und assoziiert damit die frühere Sklavenhaltung im US-Bundesstaat Virginia. Die Tusche-Zeichnungen "Hommage à Verlaine" sind die aktuellsten Werke. Entstanden sind die Motive in Zusammenarbeit mit ihrem Mann, Hans Krieger. Der hat Paul Verlaine-Gedichte ins Deutsche übersetzt; Rieck-Sonntag hat ausgewählte Verse illustriert: wiederum mit expressionistischen Anleihen und im Holzschnitt-Look, mitunter stark erotisch geprägt. Eindrucksvolle Portraits, die - das hat sie mir zugesagt - auch verkauft werden.
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