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Flop des Monats - Oktober 2006
Britisches Auktionshaus versteigert Hitler-Aquarelle Die Frage nach dem künstlerischen Wert stellt sich überhaupt nicht. Es geht den Nazis nicht um Kunst, sondern um die Unterschrift. Und die lautet "A. Hitler" auf mehr als 20 Aquarellen und Zeichnungen, die das britische Auktionshaus Jefferys am 26. September versteigert (hat).
Die Bilder sind vor und während des Ersten Weltkrieges in Wien entstanden. Hitler, dessen Bewerbung an der Kunstakademie gleich zweimal wegen mangelnder Begabung abgelehnt wurde, finanzierte sich zwischen 1907 und 1913 durch die Malerei von Postkarten und Aquarellen - meist Landschaftsmotive.
Die besagten Bilder tauchten jüngst in Belgien auf, dort hatte ein Mann die Blätter auf dem Dachboden in einem Koffer entdeckt. Dass die Wahl für den Verkauf auf das eher kleine und unbedeutende Auktionshaus Jefferys fiel, ist keine Zufall. Bereits im vergangenen November hat Jefferys "einen Hitler" verkauft - für rund 5200 Britische Pfund. Der zweifelhafte Medienrummel scheint den Veranstaltern nicht unangenehm. Auf der Startseite zu den aktuellen Versteigerungen lassen sich die Motive hochauflösend darstellen. Dass die Veranstalter damit tausende von Alt- und Neo-Nazis anlocken, wird bestritten, lässt sich aber kaum ernsthaft leugnen: Die Web-Seite ist derzeit wegen Überlastung des Servers nur sporadisch erreichbar.
Beim Kreis der Bieter und Käufer gibt es
keinen Zweifel an deren politischer Heimat. In der ARD-Sendung "Titel
Thesen Temperamente" wird ein Aussteiger aus der braunen Szene
zitiert: "Das sind wirklich Kultgegenstände für alte Nazis. Zumindest
in Deutschland kauft so etwas niemand, der nicht die entsprechende
Gesinnung hat. Für mich wäre es damals ein Traum gewesen, ein solches Bild
zu besitzen, ein persönliches Stück von meinem Idol."
Jedes Lot soll übrigens bis zu 30 000 Euro bringen. Das Auktionshaus und der anonyme Besitzer dürfen sich über den "braunen Reibach" freuen. Dass die Abzockerei unter den Augen der Weltöffentlichkeit schamlos ist und moralisch alle Grenzen sprengt, interessiert Ian Morris, den Manager des Auktionshauses, einen feuchten Dreck. Mit der Auktion ernennt Jefferys den Initiator des Holocaust kurzerhand zum Künstler und bagatellisiert die Millionenfache Hinrichtung von Juden, Kommunisten, Ausländern und Schwulen in deutschen Konzentrationslagern. Ich habe kein Problem damit, dass die Bilder erhalten bleiben. Im Zuge einer umfassenden biographischen Bewertung der Person Adolf Hitler hätten die faden Aquarelle durchaus ihren Platz. Aber lasst so etwas bitte von Leuten machen, die sich damit auskennen, beispielsweise der Bundeszentrale für politische Bildung. Nun aber werden die Bilder zu Altären der rechten Szene. Das hätte vermieden werden können - und sollen. Gerade in diesen Tagen.
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