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Flop des Monats - Mai 2006


Und wer hat Ihren Dalí gemalt?

Dass bei den druckgraphischen Werken von Dalí übelst beschissen wird, wusste wohl jeder (außer mir), der sich mit den Radierungen, Holzschnitten und Zeichnungen des Meisters auseinandersetzt. Nicht wenige Dalí-Experten schätzen, dass neun von zehn der auf dem Markt kursierenden Blätter gefälscht sind: falsche zeitliche Zuschreibungen (echter Druckstock, falsche Datierung), falsche künstlerische Zuschreibungen (Dalí signierte auch leere Blätter, die seine Schüler "ausmalen" durften), Dubletten (ohne Nummerierung und Signatur oder mit gefälschten Nummerierungen/Signaturen) bis hin zu kompletten Neugestaltungen, die urplötzlich aus dem "Off" auftauchen und bislang in den Werksverzeichnissen "übersehen" wurden.

 

Das Werksverzeichznis zum druckgraphischen Werk Dalis von Löpsinger und M***   M*** ist der Dalí-Experte in Deutschland und hat unter anderem dieses Werksverzeichnis herausgegeben

 

Fälscher profitier(t)en von der allgemeinen Verwirrung, die Dalí im übrigen zu einem Großteil selbst gestiftet hat. Zahllose Stiche wurden in mehreren hundert Exemplaren auf unterschiedlichen Papiersorten - mit und ohne Wasserzeichen - teil signiert, teils unsigniert und mit römischer und arabischer Nummerierung verlegt.

Nicht nur Hobby-Sammler waren demnach froh, dass die Herren Löpsinger und Ralf M*** (Name darf bis zur rechtskräftigen Verurteilung nicht ausgeschrieben werden) mit ihrem Standardwerk zu den druckgraphischen Bildern ein bisschen Ordnung in die Sache brachten.

Der Münchner Galerist Ralf M*** war als Gutachter für Ausstellungen und teure Ankäufe gefragt und half sogar den Landeskriminalämtern bei der Demaskierung von Fälschungen (siehe auch: Der Spiegel, 2.10.2000).

 

Holzschnitt von Dali (?) - bei ebay rund 130 Euro...   Rund 130 Euro kostet ein Dalí-Holzstich bei ebay - wer der Urheber ist, kann Ihnen aber wohl keiner mit Gewissheit sagen

 

Um so überraschender, dass M*** auch auf der anderen Seite aktiv war. Für die Finanzierung  seines Koks-Genusses ließ er von einem Partner aus der Slowakei "Dali-Zeichnungen" anfertigen, die er selbst signiert und zum Schleuderpreis von 4000 Euro verkauft hat. Klar, dass ihm Galeristen und Sammler die Sachen aus den Händen gerissen haben. Wenn jemand die Echtheit einer Dalí-Zeichnung bescheinigen kann, dann er – dachte man. Eine Zeichnung wurde für 145 000 Euro weiterkauft. Arme Sau, der Käufer. Oder hängt das Ding nun in einem Museum?


Eine arme Sau ist aber auch M***. Der sitzt nun in U-Haft und muss sich wohl an den monotonen Blick aus seinem Zellenfenster gewöhnen. Die Vorwürfe - Betrug und Urkundenfälschung - hat er eingestanden. Der Prozess dauert noch an. Ganz sicher hat er nun ein paar Jahre Zeit, um beispielsweise ein neues Buch zu schreiben. Vielleicht dieses Mal ausschließlich über die Fälschungen. Das wäre doppelt so dick wie sein Werksverzeichnis und ließe sich halbjährlich mit dem Vermerkt "aktualisiert" neu auflegen.
 

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