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Flop des Monats - Mai 2006
Und wer hat Ihren Dalí gemalt? Dass bei den druckgraphischen Werken von Dalí übelst beschissen wird, wusste wohl jeder (außer mir), der sich mit den Radierungen, Holzschnitten und Zeichnungen des Meisters auseinandersetzt. Nicht wenige Dalí-Experten schätzen, dass neun von zehn der auf dem Markt kursierenden Blätter gefälscht sind: falsche zeitliche Zuschreibungen (echter Druckstock, falsche Datierung), falsche künstlerische Zuschreibungen (Dalí signierte auch leere Blätter, die seine Schüler "ausmalen" durften), Dubletten (ohne Nummerierung und Signatur oder mit gefälschten Nummerierungen/Signaturen) bis hin zu kompletten Neugestaltungen, die urplötzlich aus dem "Off" auftauchen und bislang in den Werksverzeichnissen "übersehen" wurden.
Fälscher profitier(t)en von der allgemeinen Verwirrung, die Dalí im übrigen zu einem Großteil selbst gestiftet hat. Zahllose Stiche wurden in mehreren hundert Exemplaren auf unterschiedlichen Papiersorten - mit und ohne Wasserzeichen - teil signiert, teils unsigniert und mit römischer und arabischer Nummerierung verlegt.
Nicht nur Hobby-Sammler waren demnach froh,
dass die Herren Löpsinger und Ralf M*** (Name darf bis zur rechtskräftigen
Verurteilung nicht ausgeschrieben werden) mit ihrem Standardwerk zu den
druckgraphischen Bildern ein bisschen Ordnung in die Sache brachten.
Um so überraschender, dass M*** auch auf der
anderen Seite aktiv war. Für die Finanzierung seines Koks-Genusses
ließ er von einem Partner aus der Slowakei "Dali-Zeichnungen" anfertigen,
die er selbst signiert und zum Schleuderpreis von 4000 Euro verkauft hat.
Klar, dass ihm Galeristen und Sammler die Sachen aus den Händen gerissen
haben. Wenn jemand die Echtheit einer Dalí-Zeichnung bescheinigen kann,
dann er – dachte man. Eine Zeichnung wurde für 145 000 Euro weiterkauft.
Arme Sau, der Käufer. Oder hängt das Ding nun in einem Museum?
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